Ein Mann, der sich "Salomo" nennt, rekrutiert im Internet mit verführerischen Botschaften und Bibelzitaten Anhänger für seinen "Tempel der freien Liebe mit Unschuldigen", sprich Kindern.
Der übergewichtige und im Zwischenmenschlichem etwas unbeholfene Maresciallo Bonnano weiß von alledem nichts, als er versucht, Herr der Lage im eigenen Haus zu werden. Ein schuhezerbeißender, pinkelnder und ständig jaulender Welpe kostet ihn den letzten Nerv und selbst das Rauchen kann ihn wegen eines hartnäckigen Hustens nicht nicht mehr beruhigen. In der Arbeit wird er von seinem jungen Brigadiere mit halsbrecherischen Autofahrten traktiert und auch hier hat er nichts unter Kontrolle.
Als dann noch ein Zuhälter verprügelt wird, der aber darauf besteht, einen Unfall gehabt zu haben, steht Bonnano kurz vor dem Amoklauf.
Währenddessen sucht der kleine Michelino jede Nacht seinen Schutzengel, dem einzigen, dem er die Spiele, die sein Vater mit ihm spielt, anvertrauen könnte...
Das Buch wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt. Der Maresciallo, der auf seiner Suche nach einem Ausweg aus dem täglichen Chaos sogar das Horoskop konsultiert, der zutiefst verzweifelte kleine Michelino und Salomo, der dunkle Verführer. Mistretta schafft es, sich in alle Personen hineinzuversetzen und scheut nicht, auch die perversen Weisheiten des selbsternannten Salomo literarisch auszukosten.
Der Maresciallo ist hinter seiner aufbrausenden Fassade ein herzensguter Mensch und ein unkonventioneller Ermittler, von seinen Untergebenen trotz seines Jähzorn und seiner Unvorhersehbarkeit geliebt. In diesem Rahmen findet er alle Unterstützung, die er für seine Ermittlungen braucht, auch wenn diese nicht immer ganz gesetzeskonform von statten gehen.
Nebenbei ist noch eine kleine Liebesgeschichte im Roman verflochten, quasi als Belohnung für den leidenden Maresciallo.
Fazit: Kein großer literarischer Wurf, aber ein gut erzählter Krimi mit Einfühlungsvermögen nicht nur für die Opfer.