Bote der Nacht ist ein sehr vielschichtiges Werk von Dean Koontz. Es gibt drei Handlungsstränge, die schließlich miteinander verknüpft werden.
Ich hatte große Mühe, einen guten Einstieg in das Buch zu finden. Es waren genau die vielen Handlungsstränge, die das Lesen der ersten Seiten sehr mühsam macht. Aber es lohnt sich, geduldig zu sein: Denn wenn man den Einstieg erst hinter sich gebracht hat, taucht man immer weiter in den Roman ein, der immer neue Überraschungen und völlig unerwartete Wendungen für den Leser bereithält. Der Inhalt ist sehr komplex, er behandelt Themen über Außerirdische und eine Weltanschauung, wonach Behinderte kein Recht auf Existenz haben. Diese Themen sind sehr gut umgesetzt und in die Handlung eingebaut.
Der erste Handlungsstrang erzählt die Geschichte der jungen Micky Bellsong, die eine harte Kindheit hinter sich hat. Sie lernt die junge Leilani kennen, deren Stiefvater ein Fanatiker ist, der glaubt, behinderte Menschen nehmen mehr von der Welt als sie ihr geben können, und daher sei es gerechtfertigt, behinderte Menschen zu töten. Da Leilani körperlich behindert ist, verschuldet von ihrer drogenabhängigen Mutter, will er seine Stieftochter beseitigen. Micky will Leilani retten, und gerät dabei selbst in große Gefahr. Dieser Handlungsstrang ist von Anfang bis Ende extrem spannend beschrieben, immer wieder baut Koontz auch gruslige Szenen ein.
Der zweite Handlungsstrang erzählt die Abenteuer eines mutterlosen Jungen. Viele dieser Szenen sind unnötig und zumindest sehr in die Länge gezogen, wofür ich ursprünglich einen Punkt abziehen wollte. Der Junge tritt auch erst sehr spät in Leilanis Leben ein. Auch wird erst sehr spät erklärt, wer der junge überhaupt ist und weshalb sein Leben so genau beschrieben wird.
Der dritte Handlungsstrang erzählt über einen ehemaligen Detektiv, Noah Farrel, deren Schwester von einer fanatischen Krankenschwester getötet wird. Er spielt in der Geschichte kaum eine Rolle, warum Koontz ihn eingeführt hat, ist mir schleierhaft. Auf diesen Handlungsstrang hätte der Autor gut verzichten können.
Warum habe ich mich schlussendlich für fünf Sterne entschieden? Erstens ist das Ende sehr spannend (!), was mich sehr erfreut hat, außerdem ist der Inhalt sehr positiv, was mir an Dean Koontz sehr gefällt. Wie auch in anderen Werken wie Kalt und Die zweite Haut siegen am Ende die guten Charaktere und setzen sich dann für das Gemeinwohl der Menschheit ein. Die Charaktere vertrauen einander, Dean Koontz vermittelt ein positives Weltbild. Das ist mir besonders in diesem Werk aufgefallen. Bote der Nacht ist sehr lesenswert!