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Das herrliche Zusammenspiel von James Spader und William Shatner ist nur einer von vielen guten Gründen, warum man sich den Genuss der ersten 17 Episoden von
Boston Legal nicht entgehen lassen sollte. Bei seinem US-Fernsehdebüt sah dieser schwarzhumorige Ableger der Hit-Serie
Practice Die Anwälte noch wie ein formelhafter Neuaufguss von
Ally McBeal aus, David E. Kelleys erste Serie über eine Kanzlei Bostoner Rechtsverdreher, die mit ähnlich eigenwilligen Charaktereigenschaften ebenso abgedrehte Geschichten um juristische und persönliche Probleme durchlebten. Es wurde allerdings schnell deutlich, dass Kelley, Co-Serienschöpfer Bill DElia und das fabelhafte Ensemble hier eine nicht minder erfrischende, lustige und ansteckend unterhaltsame Show ablieferten.
Sowohl Shatner als auch Spader waren für ihre Originalrollen aus Practice bereits mit dem Fernseh-Oscar Emmy ausgezeichnet worden, und die Paarung des launischen Egomanen und Senior-Partners Denny Crane (Shatners beste Arbeit seiner ganzen Karriere) mit dem ethisch flexiblen Anwalt Alan Shore (Spader, nicht minder brillant) erwies sich als eines der komischsten Duos der TV-Geschichte. Der prahlerische Denny liebt den Klang seines eigenen Namens, setzt weibliche Angestellte schamlos seinen lüsternen Avancen aus und zehrt von seinem Ruf als ungeschlagener Prozessanwalt, obwohl seine besten Zeiten längst hinter ihm liegen. Alan Shore wiederum ist die faszinierende Seele der Serie, ein wandelnder Widerspruch, den Spader perfekt spielt als einen charismatischen, sich selbst verachtenden Schürzenjäger, der bereitwillig das Gesetz zurechtbiegt, damit es sich seinen höheren Absichten anpasst. Zutiefst zynisch aber gleichzeitig bedingungslos seinem eigenen, komplexen Moralkodex folgend, zeigt Shore geradezu unverschämt offen seinen sexuellen Appetit und genießt die Zuneigungen seiner cleveren, attraktiven Kolleginnen Sally Heep (Lake Bell) und Tara Wilson (Rhona Mitra). Während Senior-Partner Paul Lewiston (Rene Auberjonois), der Ex-Marine Brad Chase (Mark Valley) und die Junganwältin Lori Colson (Monica Potter) mühsam versuchen, den guten Ruf der Kanzlei zu erhalten, erhebt der Auftritt von Kanzlei-Mitgründerin Shirley Schmidt (Candice Bergen) Boston Legal auf eine noch höhere Ebene von Komik-Perfektion in Serie. Die ehemalige Flamme von Denny Crane taucht in Episode 11 (mit dem passenden Titel Schmidt happens) auf als Verhandlungsführerin mit messerscharfem Verstand und genug Eiern in der Hose, um es locker mit der geballten Kraft von Crane/Shore aufnehmen zu können.
Während Schlag auf Schlag (Folge 5) ein perfektes Beispiel für die geschickte Kombination von Wahnwitz und komplexem Gerichtsdrama in dieser Serie ist, sind es die tiefer gehenden Aussagen in Episoden wie Im Eifer des Gefechts (Folge 15) und dem Staffel-Abschluss Auf Leben und Tod (über eine zweifelhafte Todesstrafe in Texas), welche die wundervoll ausgearbeiteten Charaktere der Serie in ein deutlicheres Licht rücken und einen Blick auf ihre Seelen und ihre Überzeugungen erlauben.
Mit überraschenden Abgängen (Lake Bell in Episode 13), Neuzugängen (Kerry Washington als Chelina Hall ab Episode 15) und herausragenden Gaststars wie Larry Miller, Philip Baker Hall, Frances Fisher, Carl Reiner, Freddie Prinze Jr., Shelley Long und Betty White erarbeitete sich Boston Legal eine große und loyale Anhängerschaft dank außergewöhnlicher Drehbücher, aktuell relevanter Themen und dieser ach so seltenen Chemie zwischen den Darstellern, die auch über lange Zeit faszinierend bleibt. Nirgends ist dies offensichtlicher als in den jetzt schon berühmten Balkon-Szenen mit Shatner und Spader am Ende jeder Folge, in denen der überzeugte Republikaner Denny Crane und der leidenschaftliche Demokrat Alan Shore bei Brandy und Zigarren über ihre Karrieren, Angelegenheiten und ihre innige Freundschaft reflektieren. Mit diesen beiden Darstellern zusammen endet beinahe jede Episode mit einem Höhepunkt nachdenklicher Selbstbetrachtung, und Boston Legal wird sogar noch besser als die Summe seiner Teile. -- Jeff Shannon
Movieman.de
David E. Kelley ist einer der einflußreichsten Produzenten des US-Fernsehens, der mit Serien wie "L.A. Law", "Picket Fences", "Chicago Hope", "Ally McBeal", "The Practice" und "Boston Public" riesige Erfolge gefeiert hat. Nicht alles, was er angreift, wird zu Gold, aber vieles ist es. Dazu gehört auch "Boston Legal", das aus "The Practice" hervorgeht, in deren letzter Staffel James Spader den Anwalt Alan Shore spielte und in der man William Shatner das erste Mal als Denny Crane traf. Diese beiden sind nun die Hauptfiguren von "Boston Legal", in der es weniger um Straf- als vielmehr um Zivilverfahren geht. Das Ergebnis ist eine enorm gute Serie, die sich nicht hinter Kelleys besten Werken zu verstecken braucht. Sie hat viel Humor, ist aber keine Komödie, sondern greift auch außergewöhnlich ernste Themen auf, nicht zuletzt den langsamen Verfall, den eine Krankheit wie Alzheimer mit sich bringt. Die Serie wurde in den USA mit mehreren Emmys belohnt, wobei Shatner im reifen Alter von über 70 Jahren damit belohnt wurde. Sein lakonischer Kommentar: "Das hat ja ganz schön lange gedauert." Der Workaholic Shatner und der extrem subtil, dabei aber auch unheimlich eindringlich spielende Spader sind das Zentrum von "Boston Legal". Diese Serie ist schlicht und einfach gesagt großartig.
Moviemans Kommentar zur DVD: Das Bild ist sehr schön, der Ton ordentlich. Das Bonusmaterial könnte umfangreicher sein, gefällt aber.
Bild: Das Bild dieser Serie ist sehr schön geworden. Das Material, das hier benutzt wird, ist natürlich auch noch nicht sehr alt. Hier gibt es praktisch nichts zu bemängeln. Die Farben sind kräftig und natürlich gehalten, neigen aber nicht zu irgendwelchen Auswüchsen. Stattdessen akzentuieren sie das Geschehen sehr schön. Der Kontrast ist auch bei Nachtszenen sehr ordentlich.Die Schärfe bewegt sich auf hohem Niveau und kann sowohl in Vorder- wie auch Hintergründen überzeugen. Die Kompression zeigt sich manchmal durch leichte Blockbildung, doch dies ist nichts, was wirklich störend auffallen würde.
Ton: Beide Sprachfassungen liegen nur in DD 2.0 vor, allerdings muss man natürlich dazusagen, dass dies eine Serie des Dialoge ist. Hier gibt es keine Action, die man akustisch filigran darbieten könnte. Und ein Hauch von Direktionalität im rechten und linken Lautsprecher ist schon vorhanden, wenn etwa Denny Crane aus der Seite des Bildes daherkommt und seinen Namen schmettert. Die Sprachverständlichkeit ist sehr hoch, wobei das Original noch einen Tick natürlicher klingt. Die Synchronisation ist jedoch sehr schön geworden. Besonders begeistern können Hartmut Neugebauer und Benjamin Völz als Denny Crane und Alan Shore. Beiden gelingt es sogar bisweilen, die Originalschauspieler zu übertrumpfen.
Extras: Die beiden Featurettes geben nicht viel her. Die Betrachtung der Freundschaft von Denny und Alan ist zu kurz und zu oberflächlich geworden. Das Making Of ist leider ebenfalls nicht gerade sehr erhellend. Dafür gefallen die entfallenen Szenen, die großteils aus der Pilotfolge stammen und Rhona Mitra mit einem Subplot mehr zu tun geben. --movieman.de