BOSSE. EINE BIOGRAFIE.
„WAS ICH BRAUCHE, KANN MAN NICHT KAUFEN – DAS TRIFFT MAN UNTERWEGS.“
Die Regie
Er ist, wie er ist. Er braucht keine Schlagzeile, um aufzufallen. Er braucht keinen Chart-Hit um Musik zu machen. Und er braucht ganz bestimmt kein Angeber zu sein, um sich Respekt zu verschaffen. Das erledigen seine Songs und die Tatsache, dass er nie aufgegeben hat. Gründe hätte er ein paar gehabt, aber er zweifelt nicht: „Wenn man ehrlich ist und ein wenig Glück hat, dann geht es immer weiter.“ Wovon er spricht, nennt sich Vertrauen und vertont klingt es wie „Wartesaal“.
„EY, WIR LIEGEN SO AUF DER HAND UND MERKENS NICHT.“
Wartesaal
Axel Bosse verlässt die Schule und das kleine Dorf bei Braunschweig mit 17. Die Musik hat ihn erwischt und die Nächte in der Stadt mit den Jungs von der „Jazzkantine“ und „Such A Surge“ lassen einfach zu wenig Zeit für Stundenpläne. Zum Glück hat er Eltern, die ihn unterstützen und verstehen, dass man etwas im Leben finden muss, das man wirklich machen will. Sie brauchen keine Beweise. Sie erkennen, dass Axel für nichts anderes so viel tut wie für die Musik und sowieso nur daran denkt. Sie lassen ihn nicht nur gehen – sie vertrauen ihm.
„UNSERE ZUKUNFT IST SO SICHER WIE DAS WETTER AN DER NORDSEE.“
Die Regie
Die erste ernstgemeinte Band heißt „Hyperchild“ und landet mit guten Songs einen Deal bei einem Major-Label. Es läuft klassisch: Die Plattenfirma möchte einen Coversong als Single veröffentlichen, die Teenager verlassen sich auf die Profis und schlucken ihre Bedenken nicht nur bei dieser Entscheidung. „Wonderful Life“ wird ein Achtungserfolg, aber die Band fühlt sich wie „Kleinstädter in Berlin“ in den obligatorischen Fünf-Sterne Hotels und löst sich nach zwei Jahren auf. Ein Rückschlag, aber keine Schande. Im Gegenteil: Musik wird für Axel mit dieser Erfahrung zum Beruf und lehrt ihn eine Menge. Trotzdem muss er damals erst mal runterkommen. Er geht als Merchandiser mit Kollegen auf Tour und zieht nach Spanien, um zu überlegen, wie es weitergeht. Musiker denken oft in Songs, also schreibt er ein paar und fasst einen Entschluss: Ab jetzt will er auf sich selbst hören und alles alleine machen. Komponieren, arrangieren und texten: Der Solokünstler BOSSE ist geboren, wir schreiben das Jahr 2003. Zurück in Deutschland schickt BOSSE seine Songs an den Weggefährten und Schlagzeuger Björn Krüger. Der ist sofort begeistert und gemeinsam mit Thorsten Sala (Gitarre) und Theofilos Fotiadis (Bass), alle Ex-Mitglieder von „Uncle Ho“ und „Heyday“, bilden diese Drei bis heute den Kern von BOSSEs Live-Band.
„ICH BIN SO WEIT WEG UM WIEDER NAH ZU SEIN, JEDES PROBLEM WIRD WIE LUFT SEIN.“
Weit weg
Und BOSSE gibt Gas: 2005 erscheint das Debüt „Kamikazeherz“, auf dem alle Wege offen sind und am Ende in den Pop führen; 2006 folgt „Guten Morgen Spinner“. Eine Granate, die ganz roh ist und mit Produzent Moses Schneider in nur sieben Tagen live eingespielt wird. Überhaupt: BOSSE hat sich geschworen, sich nicht zu wiederholen. Jedes Album soll anders werden als das zuvor – der Mann glaubt fest an sein Talent und weiß ein Team von Freunden hinter sich. Letzteres ist 2009 gefordert, als das Album „Taxi“ im Raum steht und BOSSE nach Auflösung des Vertrags mit der EMI ohne Label dasteht. Weil Vertrauen im besten Fall auf Gegenseitigkeit beruht, machen sein langjähriges Management, seine Booking-Firma und der Musiker BOSSE es kurzerhand selbst.
„WAS KRUMM LÄUFT, KANNST DU BIEGEN – WAS DU TRÄUMST, KANNST DU KRIEGEN“
Du federst
Es funktioniert. Gemeinsam mit Jochen Naaf (Peter Licht, Polarkreis 18) produziert Axel ein Singer/Songwriter-Album, das keinen Trotz nötig hat und mit „3 Millionen“ einen kleinen Hit landet. Insgesamt verkauft sich das Album in Eigenregie 20.000-mal – geht doch. Plötzlich wieder Interesse an allen Enden, Tobias Philippen stößt als Pianist zur Live-Band, massenhaft verschwitzte Konzerte und der Beweis: „Taxi“ ist, wenn alle zusammenhalten und an etwas glauben. Am Ende der Reise steigt BOSSE nochmal um und fährt mit Elektro-DJ Oliver Koletzki „U-Bahn“. Die lässige Hauptstadt-Hommage erscheint auf Koletzkis Label „Stil vor Talent“ und macht beiden soviel Spaß, dass es auf „Wartesaal“ zur Revanche kommt.
„DEIN HERZ WAR MAL LEER – JETZT IST ES VOLL WIE SHANGHAI.“
Metropole
In genau 100 Tagen entsteht 2010 „Wartesaal“. Wieder tut BOSSE sich mit Naaf zusammen, aber diesmal ist das Ziel ein anderes. Tanzbar muss es werden. Und BOSSE will Streicher und Trompeten, weil er das noch nie gemacht hat. In seinem Kopf klingt das Album vorher komplett wie „Roboterbeine“: Richtig schön „four on the floor“. Am Ende fordert aber jeder einzelne Song seine eigene kleine Welt ein und „Wartesaal“ gerät vielschichtiger und aufregender als frühere Alben. Der rote Faden sind Axels Texte, die eine neue Dimension erreicht haben. Was Axel beim Schreiben für „Taxi“ entdeckt hat, ist jetzt Handwerk: Worte brauchen manchmal Zeit, um präzise zu sein und verlieren dabei nicht zwingend ihren Wahrheits-gehalt. Die erste Single „Weit weg“ fasst entspannt den Sound des Albums zusammen und wird durch den Remix von Oliver Koletzki perfekt ergänzt, während der Titelsong „Wartesaal“ die Grundaussage formuliert: Input für den Kopf und Output in den Beinen funktioniert hervorragend zusammen. Nach Sturm, Drang und vielen Abschieden, glüht das aktuelle Album mit der Überzeugung eines neuen Lebensabschnitts: Anhalten, reflektieren und bedenken ist nicht nur das Gegenteil von langweilig – wenn es sich überhaupt nicht reimt, wie in „Die Regie“, ist es sogar besonders interessant.
„ICH FRAG NICHT NACH DEM WEG, ICH WILL MICH HIER VERLAUFEN.“
Die Regie
BOSSE ist glücklich. Privat als Familienvater und mit seinem neuen Album. „Wartesaal“ ist direkt, unbeschwert und wieder grundehrlich, weil es eben nicht anders geht bei BOSSE. Deswegen traut er sich, eine Edition mit sieben ganz intimen Akustik-Versionen der neuen Songs zu veröffentlichen und aus demselben Grund kann er sich mit „Frankfurt Oder“ selbst covern. Das Liebeslied vom 2006er Album hat nichts von seiner Echtheit eingebüßt und bedeutet ihm viel: „Der Moment war einfach gut.“ Eine neue Seite bekommt das Cover durch Anna Loos’ Gesang, mit deren Band „Silly“ BOSSE schon auf Tour war. Es fällt auf, dass BOSSEs Umfeld aus treuen Wegbegleitern besteht und nicht wenige Kollegen sich Freunde nennen. Wahrscheinlich hat das damit zu tun, dass man einen Musiker, der kraftvolle und aufrichtige Songs schreibt und zu sich und seinen Fehlern steht, nicht an jeder Straßenecke trifft. Dieser hier ist jedenfalls schon längst wieder unterwegs ...
„DU SINGST YIPIYAYEAH, ICH SING YIPIYIPIYEAH.“
Yipi
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