Axel Bosse begann seine Laufbahn im Rennen. Mit übervollem Kamikaherz meldete er sich 2005 in der Landschaft der deutschen Sänger und Songwriter und hetzte zur Single „Kraft“ atemlos durch die Berliner U-Bahn. Sieben Jahre später singt er: „Ich such nicht mehr, und finde nur/ kommt sowieso an den Start, was kommen mag.“ Vom Getriebenen zum Gelassenen. Eine Wandlung, nicht über Nacht, sondern über fünf Alben, auf denen der Musiker eine einzigartige Text- und Formsprache fand. Voller Verstand, aber ohne Verkopftheit. Voller Emotionen, aber ohne Kitsch. Und vor allem: Voller berührender Intimität, aber ohne Anbiederung. Seine Lieder sind einerseits persönliches Tagebuch und andererseits kluger, künstlerischer Formwille.
Das Bosse Songbook lässt die besten dieser musikalischen Erzählungen Revue passieren. Es gibt Einblick in Axel Bosses einzigartige Fähigkeit, einerseits ein hochbegabter musikalischer Architekt mit klaren Bauplänen zu sein und andererseits die Emotionen ungefiltert fließen zu lassen. Es belegt, dass ein vom Rock versauter Begriff wie „Authentizität“ wieder neu mit Sinn gefüllt werden kann. Und es offenbart einen Erzähler, der sich selbst und seinen Zeitgenossen auf einzigartige Weise Lebenshilfe gibt. Keiner sonst analysiert die Lage der getriebenen Generation Multitasking in Liedern wie „3 Millionen!“ (2009) oder „Vier Leben“ (2013) so entwaffnend gut. Und keiner sonst traut sich, den Gehetzten und Entfremdeten mit Stücken wie „Yipi“ oder „Liebe ist leise“ (2009) tröstend und ratgebend die Hand auf die Schulter zu legen und zu sagen: Alles wird gut. Bremse ab. Lebe wieder. Sei da.
Axel Bosse gibt seinem Publikum das Gefühl, einen guten Freund an der Seite zu haben, der ihnen durch seine aufrichtigen Geschichten in der großen Halle so nahe steht wie im kleinen Club. Einer, der das Leben zu schätzen weiß. Und einer, der sich selbst und seine Hörer immer wieder fordert, indem er den Wandel auf Dauer stellt. Passend also, seine Arbeit nach sieben Jahren durch ein ebenso hingebungsvolles Buch Ton für Ton und Wort für Wort noch besser wertschätzen zu lernen.
Axel Bosse wurde 1980 geboren und verließ mit siebzehn Jahren die Schule, um sich in die Musikwelt zu stürzen. Nach der ersten Band Hyperchild begann seine Karriere als Solo-Songwriter im Jahre 2003. Seitdem hat er vier weitere Alben und ein Kind auf die Welt gebracht. Nach zwei kraftvollen Rockalben für die EMI erweiterte er mit dem reduzierten „Taxi“ (2009) sowie dem orchestralen „Wartesaal“ (2010) seine geschäftliche und künstlerische Selbständigkeit. Das aktuelle Album „KRANICHE“ stellt den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung dar. Der gebürtige Braunschweiger, der seiner Heimat immer noch nahe steht, lebt heute mit Frau und Tochter in Hamburg und Istanbul.
(c) Oliver Uschmann
3 Millionen
Sommer lang
Liebe ist leise
Alter Strand
Wartesaal
Weit weg
Metropole
Die Nacht
Nach Haus
Du federst
Wende der Zeit
Roboterbeine
Frankfurt Oder
Yipi
Nächsten Sommer
Kraniche
Schönste Zeit
Vier Leben
Alter Affe Angst
Brillant