Selten darf man hierzulande solchen Liedern lauschen. Unsere französischen Nachbarn kennen sowas ja zuhauf. Von Benjamin Biolay zurück zu Serge Gainsbourg geht eine breite Linie der Pop Musik, des Chansons, des zeitlosen Songwritings, der opulenten Arrangements, der grossen Gesten. Wir hier müssen da schon ganz genau hinschauen, bis etwas von solcher Güte hervortritt. Beispiele, die mir einfallen sind "Krug 2 - Ein Hauch von Frühling" von Manfred Krug, wo Marvin Gaye und Heinrich Heine eine perfekte Liason eingehen, und ab sofort "Bossa Nova" von Michel van Dyke, der als Songschreiber die grossen Hits von Echt verfasste, aber als Solokünstler erst über 40 werden musste, um so einen Wurf hinzukriegen. Er bietet hier eine Essenz ewiger Popkunst, die in einer einfachen, anrührenden Sprache verfasst und von leichtfüssigen Mambo Sounds umspielt wird, die zu keiner Zeit ins Easy Listening abgleiten und niemals verraten, dass sie aus einem geschmackvollen 60er Jahre Ton Archiv geliehen und gesampelt wurden. Die Stimmung ist saftig-dunkelrot bis luftig-beige. Mal wie ein beinahe japanischer Herbst, dann wie ein südeuropäischer Spätsommer. Vorgetragen mit einer sanften, sich geschmeidig katzenhaft vortastenden Stimme, die mal schlau, mal verletzlich, mal tröstend klingt. Einmalig! Schmeisst Eure abgenudelten Norah Jones Platten weg und verliebt Euch in Michel van Dyke. Diese Platte lässt Euch nie mehr los!