In Anbetracht des Preisvergleiches via Internet war die Entscheidung schnell gefällt. Die Ersparnis betrug immerhin 60 Euro (inzwischen ist der Preis höher), die man sinnvoll anlegen kann, z.B. in ein zweites Bohrfutter (siehe unten).
Auch wenn am Typenschild Bosch, Leinfelden-Echterdingen steht, nicht zu übersehen ist das: Made in China.
Ein kurzer Test zeigte, daß alles funktionierte. Das Handbuch ist ca 1cm dick, jedoch sind nur 8 Seiten Beschreibung in Deutsch sowie 6 Seiten Bilder, immerhin keine CD. Leider sind die Bilder nicht zum Ausklappen, was bedeutet, daß man viel hin und her blättern muß. Die Bedienung ist nicht kompliziert, entsprechend ist die Anleitung einfach gehalten.
Was unangenehm auffällt ist das Bohrfutter, das nur Bohrer ab 1,5mm aufnimmt. Wer Modellbau oder ähnliches betreibt muß sich also ein zweites Bohrfutter beschaffen. Hierzu entwickelte sich ein längerer Dialog mit der Kundenberatung der Firma Bosch, wie löse ich das Bohrfutter? Man will ja nicht gleich die neue Maschine beschädigen. Das Resultat: 'Grundsätzlich sollten Sie das Bohrfutter nicht selbst austauschen. Nach Rücksprache mit meinen Kollegen aus der Entwicklung, sind dafür Spezialwerkzeug notwendig.' Erneute Rückfrage, wo man das denn bekäme, ergab endlich den Aussteiger: Da muß man die 'Kollegen in Willershausen' ansprechen. Nach 35 Minuten Warteschleife ( 01805' Nr. zu 14 ct/min) habe ich Bosch aufgegeben und mich beim Hersteller des Bohrfutters, Firma Röhm, erkundigt und schnell kompetente Hinweise erhalten. Das übliche Verfahren, Inbusschlüssel einspannen und abschrauben. Ein etwas größerer Hebelarm ist aber enorm hilfreich. Die chinesischen Monteure sind wohl doch ganz kräftig.Vielleicht ist für Bosch auch ein Inbusschlüssel ein Spezialwerkzeug.
Bosch wirbt mit der Beleuchtung des Arbeitsfeldes mit zwei weißen Leuchtdioden. Das wäre auch gut, wenn man die heute üblichen wirklich hellen LED gewählt hätte. Man benötigt ganz klar eine bessere Beleuchtung als die LEDs.
Auch die Markierung des zu bohrenden Loches mit einem Laserkreuz sieht gut aus. Verwundert stellt man dann aber fest, daß bei Annäherung des Bohrers plötzlich nur noch jeweils die Hälfte der Linien sichtbar bleibt. Das ist nicht tragisch, wenn man ein größeres Werkstück fest eingespannt hat. Zum Bohren kleiner Teile wie z.B. elektronischer Leiterplatten, die man nicht für jedes einzelne Loch festspannt, ist das nicht hilfreich.
Die elektronische Drehzahlregelung in zwei Bereichen ist natürlich eine der heutigen Technik entsprechende Lösung. Der Lauf der Maschine ist nicht so leise wie bei Ständerbohrmaschinen aber auch nicht so laut wie eine Schlagbohrmaschine. Man kommt also ohne Gehörschutz aus wenn man nicht zu viele Löcher bohrt.
Gut sind die Einstellung und Anzeige der Bohrtiefe im LCD-Display und auch die Bedienung mittels Handrad. Oft muß man bei Hebelbedienung nämlich die Hand verdrehen wenn man nicht loslassen will. Das Handrad ist auch griffig und rutscht einem nicht aus der Hand. Die Maschine wird federbelastet automatisch im Bereich der eingestellten Bohrtiefe nach oben gefahren wenn man das Rad los läßt.
Bei der Höhenverstellung muß man beachten, den Klemmhebel des Tiefenanschlags bei 0 fest zu stellen, da sonst dieser ruckweise schlagend nachrutscht. Da ist den Konstrukteuren etwas mißlungen.
Auch an Sicherheit hat man gedacht. So gibt es eine 'Quick-Stop' ( Not Aus) Funktion. Ein Hinweis darauf an der Maschine wäre aber dringend angebracht. Wer erinnert sich schon im Notfall an diesen Hinweis im Handbuch. Ein Wiederanlaufschutz nach Stromausfall ist sehr sinnvoll wie auch ein thermischer Überlastschutz. Ich hätte erwartet, daß eine zumindest einfache Schutzbrille zum Lieferumfang gehört. Diese paar Cent hat man sich gespart.
Fazit: Eine insgesamt brauchbare Bohrmaschine für den Heimwerker und Bastler. Leider sind aber einige unschöne Mängel festzustellen, die bei dem Preis nicht sein sollten. Die Kundenberatung von Bosch konnte mich nicht überzeugen.