Stereoplay
Als Marva Wright vor sechs Jahren jeden Sonntagmorgen den Herrn pries, da waren nicht nur die Kirchgänger in New Orleans verzückt. Die Kunde von einer neuen Gospel-Queen machte die Runde. Man munkelte, die legendäre Irma Thomas müsse um ihren Ruf bangen - wohl nicht zu Unrecht, wenn man Marvas Stimmgewicht auf dem Debüt "Heartbreakin' Woman" (1991) in die Waagschale wirft. Mit dem Nachfolger "Born With The Blues" hält die Dicke vom Mississippi ein für allemal fest, daß der zeitgenössische Blues ohne ihren Beitrag weitaus weniger Format hätte. Bei den 13 Fremd- und Eigenkompositionen ließ sie sich von Carlo Ditta beraten (er bastelte zuletzt mit Willy DeVille an dessen erdiger "Victory Mixture"). In Höchstform kommt die schwergewichtige Lady nicht zuletzt durch beherzte Instrumentalisten wie Sonny Landreth und Walter "Wolfman" Washington sowie ein Quartett aus forschen Bläsern. Mit weniger Körpergewicht, aber kaum weniger Stimmvolumen tritt Marla Glen ans Mikrofon. Auch sie ist bis in die Haarwurzeln vom Blues infiziert - was kaum wundert, wenn man in Chicago geboren wurde und zum fünften Geburtstag eine Mundharmonika von Muddy Waters überreicht bekam. Mit dem Debüt "This Is Marla Glen" (Disque Vogue/BMG Ariola 74321 15134 2, I:08, K:08, R:08) blickt die grazile farbige Sängerin und Gitarristin weit über den Tellerrand der Chicago- Szene hinaus. Die acht Songs nahm sie am Ufer der Seine mit engagierten Musikern der Pariser Szene auf. Unter der Leitung von Produzent Claude Sahakian meisterte die Amerikanerin ein breites Spektrum von Blues und Gospel und Reggae bis zu dezenten Tango-Abstechern. Oft wirken die Melodien und Songtexte unspektakulär, doch strahlt Marla Glens Musik eine unverkennbare, sympathische Offenheit aus. ** Interpret.: 07-09
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