Ha! Der Badly (wie wir Insider, die ihn über viele Alben begleitet haben, auch nennen), der sympathische Mann mit der Mütze, der in letzter Zeit bei Konzerten gar nicht mehr so sympathisch War und vielleicht mal die Mütze lüften sollte, zwecks Luftstaubehebung. Egal. Diesmal kommt er daher und nennt sein Album einfach "Born In The U.K." - und alle Welt fällt auf den Trick rein. Ja mei, der ist halt ein Riesen-Springsteen-Fan, der Badly. Und deshalb macht er jetzt ein Springsteen-Album.
Völliger Quatsch natürlich. Denn "Born In The U.K." hat so viel Ähnlichkeit mit Springsteen-Musik, wie Angela Merkel mit Claudia Schiffer. Nur einmal, beim Beginn von "Welcome to the overground", da hört sich die E-Gitarre so an, als ob sie vom Boss kommen könnte. Der Rest sind die typischen Klänge des Damon Gough: Ein wenig Gitarrengeschrubbel, ein Klavier, ein paar Streicher, hin und wieder ein Glockenspiel, dazu die warme Stimme. Ich sag mal so: Wer bisher nichts mit Badly Drawn Boy anfangen konnte, wird auch "Born In The U.K." ablehnen. Seine Fans hingegen werden sich wie immer wohlfühlen.
Zu viele Zutaten hat man aber mittlerweile zu oft genossen. Man höre "One last dance" oder "Walk you home tonight". Beide Songs könnten auch von "One Plus One Is One" oder "Have You Fed The Fish?" stammen. Das Rad erfindet Gough also nicht neu. Doch er hat immer noch ein Händchen für schöne Songs. "A journey from a to b" ist so einer. Klingt in den ersten Sekunden wie Lambchop, wird dann aber unüberhörbar zu einem echten Badly-Hit. Chorgesang undeine dieser Melodien, die gerade so süß sind, dass man sie noch ertragen kann. Eine echte Wundertüte ist "Nothing's gonne change your mind". Der Song beginnt als vom Klavier getragene Ballade, nach etwas mehr als einer Minute setzen dann die übrigen Instrumente ein, Gough haucht zart und am Rande seines Könnens den Text. Eine kleine Oper, die sich wandelt, dreht und wendet und irgendwann wieder zum Ausgangspunkt zurückkommt.
Highlight des Albums ist das eigentlich recht unspektakuläre "Promises", das auch zunächst nur von Stimme und Klavier getragen wird. Nach zweieinhalb Minuten beginnt dann aber ein gigantisches Kleinod von Pop-Song. Herrlich! Badly Drawn Boy hat erneut ein äußerst gutes Album abgeliefert. Ein Album, das gut ins Ohr geht und die typischen Ingredienzen erhält, die man von ihm erwartet.