Mit "The Fame" und dem darauf folgenden Re-Release "The Fame Monster" hat es Lady Gaga an die Spitze des Erfolges geschafft. Nach etlichen erfolgreichen Auskopplungen (bei denen durchaus noch mehrere möglich gewesen wären) und einer scheinbar nie enden wollenden Tour wird nun ihr gerademal erst zweite Studioalbum veröffentlicht. Das erste Album nach dem Debutalbum zeigt häufig, ob ein Künstler es schafft, sich im Musikgeschäft zu halten. Obwohl es wirkt, als hätte Lady Gaga schon längst bewiesen, dass sie keine Eintagsfliege ist, beruht ihre Karrieren bisher lediglich auf einem Debutalbum und dessen Re-Release. Mit 'Born This Way' wird sich zeigen, ob sie die Welt weiterhin mit interessanten und faszinierenden Dingen beeindrucken kann oder ob sie ihre geballte Kreativität in den letzten zweieinhalb Jahren entladen hat. Mit 'Born This Way' wird sich zeigen, ob sie sich als Künstlerin etablieren kann.
Nun waren die Erwartungen an Born This Way entsprechend hoch, nicht nur durch ihr gelungenes Debut, sondern auch durch die Ankündigung als "Album des Jahrzehnts", vor allem von ihrer Seite, aber auch von verschiedenen Produzenzten. Stück für Stück wurden immer mehr Details von dem Album veröffentlich, zuerst die gleichnamige Leadsingle, später das Albumcover,die zweite Single "Judas" und zwei weitere Promotionalsingles. Ich selber hatte immer mehr ein zwiegespaltenes Gefühl, denn sowohl das Cover als auch die zweite Single wurden stark kritisiert und auch ich war nicht begeistert. Die Leadsingle dagegen war ein weltweiter Erfolg, zudem war ich von den beiden Promotionalsingles angetan, auch weil ich das Gefühl hatte, dass sie im Gegensatz zu den ersten beiden Singles wirklich repräsentativ sein könnten.
Ich konnte es nicht mehr abwarten und als das Album veröffentlicht wurde kam es wie es kommen musste, ich war enttäuscht - siebzehn Lieder und nur eine handvoll davon gut. Ich konnte das irgendwie nicht akzeptieren wollen und habe das Album wieder und wieder gehört und mir dabei die Lyrics durchgelesen, die einem gelungenen Booklet dabei waren (vom ersten Eindruck her gelungen). Und jetzt im nachhinein bin ich der Meinung, dass ich mich geirrt habe, denn die Single Born This Way ist durchaus repräsentativ für das Album Bor This Way. Ich mochte mich mit beidem anfangs nicht so recht anfreunden, doch wenn man sich die Melodien, die Texte und vor allem Bedeutung dessen genauer anschaut, dann merkt man, wie viel Persönlichkeit in diesem Album steckt. Und diese starke Persönlichkeit dominiert das gesamte Album und sorgt für einen Klang, den ich zuerst als 'merkwürdig', 'überladen' und 'aufdringlich' aufgefasst habe, bis mir klar geworden ist, dass man bei diesem Album genau wie bei ihr selbst als Künstlerin (nicht nur als Musikerin) hinter die Fassade schauen muss, um zu erkennen, was wirklich dahinter steckt. Noch immer kann ich mich mit manchen Lieder nicht anfreunden, da sie mir noch immer 'fremd' erscheinen, doch die Anzahl der guten Lieder übersteigt inzwischen die ursprüngliche Hand voll.
Abschließend kann ich sagen, dass ihr es mit diesem Album durchaus gelungen ist und mit weiteren Auskoppelungen auch noch weiterhin gelingen wird, sich musikalisch weiter zu etablieren, annähernd auch auf der gleichen Ebene wie ihr Debut. Ich persönlich halte dieses Album für eine Weiterentwicklunng. Das heißt nicht unbedingt, dass es eine ausschließlich gute Entwicklung ist, es ist vor allem eine Veränderung, wie wir sie bereits von Lady Gaga kennen, mit der sie es aber geschafft, ein bisschen mehr Persönlichkeit preiszugeben.
Hier noch eine kurze Bewertung der einzelnen Titel:
Marry The Night - Starke Strophe mit tollem Text, typischer Refrain, tolle Bridge und interessanter Ausklang, insgesamt guter Einstieg - 08 / 10
Born This Way - Textlich gesehen ein Prachtexemplar, die Melodie transportiert diesen sehr gut, auch instrumental gesehen gelungen, insgesamt mehr als zurecht die Leadsingle - 10 / 10
Government Hooker - eine Art Experiment in meinen Augen, sehr skurril, doch genauer betrachtet eine gelungene Komposition und Produktion - 07 / 10
Judas - wirkt wie "Bad Romance 2.0", doch bis auf den Aufbau ist es grundlegend anders, inhaltlich sehr interessant und anstoßend nicht die große zweite Single wie angekündigt, aber dennoch insgesamt irgendwie mitreißend - 08 / 10
Americano - das spanische kennt man schon ansatzweise aus "Alejandro", doch hier ist extremer, dadurch wird das Lied impulsiver und bewegender, auch was die erzählte Geschichte angeht, starkes Intro und Outro, insgesamt ein Highlight auf dem Album - 10 / 10
Hair - ebenfalls eine Geschichte, so persönlich wie es kaum geht, toller Text, starker Refrain und gute Strophen, genialer Past-Chrous, gute Bridge und Outro, insgesamt rundum gelungen - 10 / 10
Scheiße - ein weiteres Highlight, meiner Meinung ist dieser Track ihren früheren Lieder noch am ähnlichsten, tolle Komposition, genialer Refrain und guter Pre-Chrous, der Beat und die gesamte Produktion ist genial und es soetwas "Remix-artiges", was es noch faszinierender macht - 10 / 10
Bloody Mary - der erste langsamere Titel, mysteriös, aber dennoch gelungen, jedoch keine begeisternde, mitreißende Clubnummer - 07 / 10
Black Jesus + Amen Fashion - gute Strophen, minimal schlechterer Refrain, jedoch schwache Bridge, insgesamt jedoch gelungen - 07 / 10
Bad Kids - das Beste an diesem Track ist Nachricht und wie sie durch die Melodie im Pre-Chrorus übertragen wird, ansonsten einfallslose Popmelodie im Refrain, stimmlich klingt es geklaut, insgesamt eines der schwächeren Lieder - 05 / 10
Fashion Of His Love - meiner Meinung nach leider "Kategorie Füllied", hat nichts besonderes, stimmlich ähnlich wie Bad Kids, musikalisch und textlich finde ich es schwächer, hätte nicht auf dem Album sein müssen, auch nicht auf der Special Edition - 04 / 10
Highway Unicorn (Road To Love) - endlich wieder ein besseres Lied, mit starken, interessanten und gewagten Strophen und einem typischen Gagarefrain, der jedoch nicht wie schonmal gehört klingt, auch das Outro ist gut, wenn auch ein letzter Refrain fehlt - 08 / 10
Heavy Metal Lover - dieses Lied mag ich persönlich einfach nicht, weder von der Melodie, noch vom Instrumentalen und vom gesangliche her - 03 / 10
Electric Chapel - wieder etwas völlig anderes als man erwartet, klingt sehr fremd, aber sowohl die gesangliche als auch die instrumentale Melodie kann sich durchaus sehen lassen, als von komposition gut, insgesamt jedoch sehr gewöhnungsbedürftig - 06 / 10
The Queen - auch ein gelungenes Lied, insgesamt wirkt es jedoch wie eine typische Popnummer, erwähnenswert ist jedoch das grandiose Outro - 06 / 10
Yoü And I - kompositionell das beste Lied des Albums, ebenfalls ein weiteres Highlight, ich konnte mich anfangs mit der E-Gitarre und dem "We Will Rock You"-Beat nicht anfreunden, doch es unterstreicht das starke Gefühl, das dieses Lied ausdrückt - 10 / 10
The Edge Of Glory - das bestmögliche Ende des Albums, eine weiteres Highlight, besonders textlich, aber auch in allen anderen Aspekten hervorragend - 10 / 10
In Summe macht das: 129 / 170 & durchschnittlich: 7,58 / 10