Gerade mal ein Jahr nach Erscheinen von BORN TO COOK hat der VOX-Fernsehkoch Tim Mälzer nun also sein zweites Kochbuch unter dem gleichen Titel herausgebracht, das sich sowohl optisch wie auch von der Ausrichtung der Rezepte an seinem Vorgänger orientiert.
Das Buch beginnt mit einem sehr geschickten kurzen Vorwort des Autors zum Thema "Inspiration" (Titel: "Vorbilder - irgendwie ist alles nur geklaut"), womit Mälzer all jenen Kritikern direkt zu Beginn den Wind aus den Segeln nehmen will, die in ihm nur einen zweitklassigen Jamie Oliver-Epigonen sehen. Mälzer beschreibt wie ich finde sehr ehrlich und sympathisch, wie Köche zu ihren Repepten kommen. Sie lesen viel, lassen sich anregen und inspirieren, übernehmen Dinge, die sie für sich "passend" finden und entwickeln so nach und nach ihren eigenen Stil. Daran ist absolut nichts auszusetzen und wer glaubt, dass der große Bruder von der Insel das Kochen neu erfunden hat, dürfte sein blaues Wunder erleben, wenn er mal das "River Cafe Easy Kochbuch" (Rose Grey, Ruth Rogers) zur Hand nimmt.
Danach geht es dann los. Etwas ungewöhnlich ist die fehlende (klassische) Unterteilung der Rezepte in "Vorspeisen", "Salate", "Fleisch" etc. Auf das erste Rezept (Club Sandwich) folgt sofort die Thai-Suppe, bei der der Autor dann auch gleich mal die Quelle seiner "Inspiration" angegeben hat. Auf den folgenden ca. 170 Seiten gibt es eine Vielzahl von Rezepten die dann in der Tat von den besagten Vorspeisen zu den Desserts und Kuchen reichen. Alle Rzepte sind bebildert, wobei die "Highlights" bzw. Grundrezepte einer Kategorie (z.B. zum Thema "Pizza") größeren Raum einnehmen. Die Zutatenliste steht links und die Zubereitungsschritte gut gegliedert rechts. Ergänzt werden die "größeren Rezepte" (wie ich sie mal nennen möchte) durch einen Zeitstrahl, der die anfallenden Arbeiten chronologisch auflistet. So kann nun wirklich nichts mehr schiefgehen und man muss schon zwei linke Hände haben, um hier kein gutes Ergebnis hinzubekommen. Gut gefallen haben mir die Tips unter einigen Rezepten. Dort gibt es dann u.a. Hinweise darauf, welche Varianten bei dem Rezept möglich sind. Alle 20-30 Seiten wird auf einer Doppelseite ein kurzer "Workshop" eingeschoben (Themen: Vinaigrette, Salat, Kräuter, Fisch, Bratpfannen, Fleisch, Karamell, Gewürze), die sich doch eher an Koch-Starter wenden. Wer schon Übung am Herd hat und auch schon ein Dutzend Kochbücher gelesen hat, kann diese Seiten getrost überfliegen.
Die Gerichte selbst gehen queerbeet und neben traditionellen Gerichten (Ente, Heilbutt, gefüllte Kalbsbrust, Schweinebraten, geschmorte Beinscheiben, Omas Steckrübeneintopf etc.) sind auch Penne, Pizza, Salate und Desserts/ Kuchen usw. reichlich vertreten. Kurz: Es ist wirklich für jeden etwas dabei und jeder Leser wird seine eigenen Favoriten unter den Rezepten - die natürlich nicht alle ganz neu sind - finden. Gut fand ich die Geflügelleber mit Ingwer-Kirschen und die kurzgebratene Rehkeule und für das schnelle (und leckere!) Erdbeer-Eis werden insbesondere die Eltern kleiner Kinder dankbar sein.
Fazit: Ein gutes, schön gemachtes Kochbuch ohne größere Schwächen mit vielen leckeren Rezepten, das sich an die gleiche Zielgruppe wendet wie Jamie Oliver. Lafer- und Witzigmann-Jünger werden hiermit wenig anfangen können. Nicht nur für Fans der Sendung ein guter Griff!