Faszinierend böse ist die Welt, die der New Yorker Anwalt Andrew Vachss in diesem Buch beschreibt.
"Ich bin vielleicht kein guter Schriftsteller", sagt Vachss in der Einführung zu Born Bad, "aber ich schreibe aus gutem Grund."
Recht hat der Autor, denn es sind vernachlässigte und mißbrauchte Kinder und Jugendliche, die seinen Klientenstamm bilden. Was geschieht, wenn die Familie ihre Schutzfunktion verliert, wenn Mißbrauch und Mißachtung einen Menschen von frühauf prägen, bestimmt immer wieder die Schlagzeilen. Und doch sind es Tabuthemen, die hilflos machen, wenn man nur wegsieht, und wütend, wenn man einen Blick hinter die Kulissen riskiert.
Unrecht hat der Autor, wenn er behauptet, er sei kein guter Schreiber, nur ist sein Stil nicht jedermans Sache. Kalt, hart und düster, zu brutal für viele Leser. Wer aber den Hintergrund des Anwalts kennt, kann zwischen den Zeilen den Schrei nach Gerechtigkeit und Schutz für die Wehrlosen herauslesen.
Mit Sicherheit ist dieses Buch mehr als nur Nervenkitzel und Unterhaltung: Sex and crime, Selbstjustiz und Apokalypse, Liebe und Verrat bekommt man überall anders auch geboten - selten aber in einer so schonungslosen Sprache, und noch viel seltener mit einem so wichtigen Anliegen.
Die Stories sind sehr unterschiedlich, von Kurzkrimis über Theaterstücke bis zu düsteren Zukunftsvisionen. Mit unterschiedlichsten Blickwinkeln taucht man ein, oder besser, wird verschleppt in eine Welt, die hoffentlich nichts mit der eigenen Realität zu tun hat. Die Grenzen zwischen Gerechtigkeit und Rache sind fließend, und so etwas wie Unbeteiligtsein oder Unschuld gibt es bei Vachss nicht - und wer wegsieht, ist nicht besser als die Täter und ebenso bedauernswert wie die Opfer.
Wer Geschichten à la Grisham sucht: Träum woanders!
Wer sich traut, in die wirkliche (vielleicht eigene) Finsternis zu schauen: Zugreifen!