In aller Deutlichkeit: das ist ein Don't - Album. Alle, die den late, great veteran, den King of New York, nicht entehren wollen, sollten davon ablassen auch nur daran zu denken, sich dieses Album zuzulegen.
Dass "Ready to die" ein Meilenstein des Hip Hop ist und dass das Doppelalbum "Life after death" von "The Source", DEM Meinungsbildungsorgan schlechthin, mit fünf von fünf mics (das kommt ca. alle drei jahre mal vor) bedacht wurde, ändert leider nichts daran, dass "Born again" ein verdammt schlechtes Album geworden ist. Woran liegt das? An, wie ich denke, zwei Umständen. Erstens: Biggie a.k.a. Frank White hatte sich mit Puffy arrangiert, der sich zu unser aller Glück meistens darauf beschränkte, ausführend zu produzieren und die wirkliche Arbeit fähigen Produzenten wie Premier, Easy Mo Bee, Clark Kent, Havoc (ernsthaft: "Juicy" stammt von WackMasterz, wollte es auch nicht glauben) zu überlassen. Puffy hat mal gesagt, dass er vorhat, Bad Boy zu einem der 500 profitabelsten Unternehemn der USA aufzubauen, dafür brauch man mass appeal und den bekommt man mit schlechten Produktionen hin.
Zweitens: im krassen Gegensatz zu 2Pac hatte Biggie nie auf Vorrat getextet, bzw. produziert, weil er keine schlechten Texte wollte, könnte man annehmen.
Wenn man diese Umstände berücksichtigt, versteht man, warum so ein katastrophales Album releast wurde. Das sieht man allein an der illustren Liste von features. Zwei (!!!) von 15 Tracks "darf" Biggie alleine bestreiten, mehr Material war anscheinend nicht vorrätig. Und es tut mir leid, aber noch schlechtere Gäste hätte man ja kaum finden können, sieht man mal von Nas, Sadat X und Meth & Redman ab, die aber auch nicht überzeugen können. Lil'Kim und Puffy, Craig Mack und Junior M.A.F.I.A. sind ja zu verstehen, aber nicht zu entschuldigen, weil sie wack sind; ja, auch Craig Mack. Aber erklärt mir mal Eminem, der "Dead wrong", den - man muss es so sagen - besten Track (obwohl er uralt ist, aber von Chucky Thompson mit dem härtesten Sound ever versehen), total ruiniert. Was machen Snoop und Ice Cube auf diesem Album? Wollte Puffy hiermit unbedingt Geld verdienen, weil er alle coasts und den dirty South (mit der Ca§h Money Clique) bedient? No idea.
Ich bin nicht mal von den Sounds irgend wie begeistert. Ganz abgesehen davon, dass NICHT EIN EINZIGER MC mit Biggie harmoniert, nicht einer. Der einzige, denke ich, der das überhaupt kann, ist nicht drauf; ich meine Jay-Z (denkt von Jigga was ihr wollt, aber er ist ein brillianter songwriter).
Meiner Meinung nach hat sich Puffy hier endgültig am downfall des Hip Hop schuldig gemacht. Eigentlich ist dieses Album nicht mal einen Stern wert. Man muss sagen, sobald Biggie mal ununterbrochen rappen darf, es auch fett ist. "Who shot ya" ist einer der besten Tracks. Trotzdem kann man dieses Album nicht mal im Hintergrund laufen lassen, man muss dauernd vorskippen, weil es einfach nicht zu ertragen ist.
Der MC, der als der beste nach Rakim gilt (und den hätte er auch noch eingeholt, hätte er lange genug gelebt), erfährt hier leider keine letzte Würdigung. Mein Tipp: kauft euch die "Notorious B.I.G." - Single, weil da abgesehen von diesem schlechten Track noch "Dead wrong" OHNE den nervigen und uncoolen Beitrag von Eminem drauf ist + "One more chance / Stay with me" -Remix.
Rein textlich kommt auch nicht viel neues bei Biggie heraus, seine schon pornographische Beziehung zum Tod ist bekannt und wieder verarbeitet worden, na ja, und "Dead wrong" ist noch bösartiger als "Gimme the loot", geiler Rap no doubt, aber lieber nicht zu lange drüber nachdenken, weil einem sonst evtl. schlecht werden dürfte, v.a. wenn man Gewaltverherrlichung und derbsten Sexismus (gerne auch gepaart) irgend wie nicht mag.
Outcome: es ist wirklich nicht Biggies Schuld, dass es ein verdammt schlechtes Album ist, seid ihm nicht böse, hört die anderen beiden Alben und seid glücklich. Verschwendet keinen Gedanken an dieses Album. Holla!