Der vierte und letzte Teil des Borgia-Zyklus vereint leider wieder beides: Alexandro Jodorowskys völlige Unfähigkeit, im Medium Comic anspruchsvoll zu erzählen, und Milo Manaras herrliche Illustrationen. Mag ja sein, dass der Mann mit dem "Incal" und den "Meta-Baronen" Meilensteine des Comics abgeliefert hat - die Borgia-Tetralogie ist jedenfalls Lichtjahre davon entfernt. Es geht da einzig ums Vögeln und ums Töten. Papst Alexander VI., von dem der Comic handelt, kann beides virtuos. Deshalb ist er - in Jodorowskys Logik - der mächtigste Mann in der Kirche. Seine Kinder sind mindestens genauso durchtrieben und gefährlich wie er. Im vierten Teil nun geht es mit den Borgias bergab. Dabei werden die tatsächlichen geschichtlichen Abläufe nur mehr durchgehechelt. Für etwas Auflockerung soll ein Auftritt Leonardo da Vincis sorgen, der sich von Cesare dazu überreden lässt, bestialische Kampfmaschinen zu konstruieren. Die einzige Bedingung ist, dass er sich - natürlich - an Cesares makellosem Körper gütlich tun darf. Dass Leonardo in Wahrheit Geldprobleme hatte, als er für etwa zehn Monate Cesares Militäringenieur wurde, verschweigt der Comic. Es würde ja auch nicht in sein primitives Weltbild passen, wo schon bei der anfänglichen Papstwahl die abgeschnittenen Penisse einiger Dutzend Geliebter Giuliano delle Roveres das entscheidende Mittel waren, ihn auf die Seite Rodrigo Borgias zu ziehen. Auch das hat mit den Tatsachen nichts zu tun. Es ist aber offenbar für einige Leser unterhaltsam genug.
Noch etwas: Auf der Buchrückseite findet sich seit dem ersten Band immer der folgende Spruch: "Ein pralles Sittengemälde aus dem europäischen Mittelalter". Das ist natürlich barer Unsinn. Alexander VI. ist der erste der sogenannten Renaissance-Päpste. Davon hat man beim Verlag offenbar keinen Schimmer. Ich hab's denen geschrieben, aber nie eine Antwort erhalten. Und so steht auch auf der Rückseite dieses vierten Bandes wieder das "Mittelalter". Vielleicht erreicht man so einfach mehr Käufer. Zu wünschen ist das diesem Comic nicht.