Träumen Sie von Ferien in Libanon und Syrien? Ich auch nicht. Er schon. Claudio Zemp, gebürtiger Surseer, Autor und Reisejournalist, hatte zumindest einst davon geträumt und sich diesen Traum im Sommer 2005 erfüllt. Und darüber geschrieben.
Das kann nur eine schwermütige Litanei über zerbombte Städte und verfeindete Völker werden, könnte man sich in einer mit Vorurteilen gespickten Minute denken. Nicht doch. "Bored in Beirut - Tagebuch einer Reise in den Orient" hält sowohl dem Touristen wie auch den Einheimischen überraschend locker den Spiegel vors Gesicht. Mal zynisch, mal nachdenklich, doch immer freundlich gesinnt. Bored - gelangweilt - wird man beim Lesen auf keinen Fall. Von der erwarteten Schwermütigkeit keine Spur, im Gegenteil. Denn obwohl der Autor natürlich auch die Palästinenserfrage anspricht (und, wie wohl auch der Rest der Welt noch immer auf die Palästinenserantwort wartet), führt die Reise vor allem in den Alltag Beiruts und Damaskus, mitten unter die Leute. Da ist zum Beispiel die Begegnung mit einem melancholischen Taubenzüchter, ein Besuch in einer Schwulendisco (wohlgemerkt in einem Land, in dem Homosexualität verboten ist) oder da ist die Frage, warum ein Nasenpflaster auf Libanons Strassen zu Ansehen verhilft.
Reiseberichte bergen oft die Gefahr, langatmig zu werden, vor allem dann, wenn der Autor zu viele (unnötige) Details reinpacken will. In "Bored in Beirut" sind Details wohl dosiert, der Autor bleibt in seinen Ausführungen kurz und knackig. Nicht zu überlesen jedoch ist die Liebe des Autors zu Sprachspielereien, welche zwar sehr amüsant sind, mitunter aber auch etwas schwulstig daher kommen. Man mag es dem Autor verzeihen, denn dank seinem Humor ist diese Reise nach Libanon und Syrien so oder so ein Erlesnis - oh Pardon - ein Erlebnis wert.
Corina Amrein