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Auf der Borderline nachts um halb eins: Mein Leben als Deutschlandreporter
 
 
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Auf der Borderline nachts um halb eins: Mein Leben als Deutschlandreporter [Broschiert]

Joachim Lottmann
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Produktinformation

  • Broschiert: 269 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch (20. September 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462039377
  • ISBN-13: 978-3462039375
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 498.424 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Joachim Lottmann
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Produktbeschreibungen

kulturnews.de

Joachim Lottmann grinst. Gerade hat er erklärt, dass seriöse Buckritik altbacken ist, uncool, spießig. Jetzt grinst er, das teigige Grinsen dessen, der weiß, dass er unangreifbar ist, und den dieses Wissen schon wieder zu langweilen beginnt. Eine coole Kritik darf Lottmann gerade mal vorwerfen, dass er ein aufgeblasener Dummschwätzer ist, aber dann wird er Argumente für diese Behauptung verlangen. Und man zählt auf: das Runterdeklinieren längst abgesagter Berlin-Mitte-Spots. Das Dissen "alter Säcke" bei völliger Verkennung der eigenen Altsackigkeit. Die grundsätzliche Austauschbarkeit von Meinungen. Allerdings: Meinung ist ja sowas von uncool. Lottmann grinst. Man ist uncool, man hat Argumente gebracht, man hat Meinungen formuliert, fast hätte man eine seriöse Buckritik geschrieben. Joachim Lottmann hat sich umgedreht, müde schlurft er den Mariendorfer Damm hinunter, vor einiger Zeit hat er sich hier eine Eigentumswohnung gekauft, im Süden Tempelhofs. Der Spießer. (fis)

Kurzbeschreibung

Auf der Borderline nachts um halb eins - Joachim Lottmann als Reporter.

Als journalistischer Tarnkappenbomber und mittels seiner speziellen Reportagetechnik, die niemals an schnöden Fakten klebt, hat Joachim Lottmann Deutschland inspiziert. Seine literarischen Reportagen über dieses Land sind Sternstunden der etwas anderen Wahrheitsfindung. Joachim Lottmann, den viele Germanisten für den Erfinder der deutschen Popliteratur halten, hat im neuen Jahrtausend schon als Jugend- und Zombie-Forscher Romane voll geschrieben. In den letzten Jahren ist der ehemalige Pop-Autor aber vor allem als Reporter durch die Medienrepublik gepilgert. Er war dabei immer getarnt: mal als heißlaufender Wallraff-Epigone und »Graf Lottmann« auf dem jährlichen Adelstreffen in Karlsbad (dem größten Heiratsmarkt Europas), mal als Ethnologe der Rot-Grünen-Jahre, als Alfred Kerr im Merkelland, als SPIEGEL-Mitarbeiter oder als höflicher Paparazzo, bei dessen Frontberichten »Dichtung und Wahrheit nicht immer sorgfältig getrennt werden können«, wie ein gewiefter taz-Redakteur bemerkte. Auf seiner Reise ans Ende des Kulturbetriebs traf er sie alle: Kerstin Grether und Bob Geldorf, Reich-Ranicki und Elke Heidenreich, Tokio Hotel und Bazon Brock, Kathrin Passig und Maxim Biller, die Strokes und Philipp Boa, Uschi Obermeier, den Papst und nicht zuletzt auch Tom Kummer. Er war im hessischen Schlitz und im KaDeWe, er fuhr von Kiel bis Karlsruhe und schrieb immer alles so auf, wie er es sah. Die sozialen, ästhetischen und politischen Wahrheiten, die Joachim Lottmann dabei der Wirklichkeit abgerungen hat, ergeben eine Sittengeschichte aus dem geheimen Inneren dieses Landes.


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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von amazone
Format:Broschiert
Eine Sammlung von Reportagen über Begegnungen mit Persönlichkeiten des Kulturlebens, vernachlässigte Orte und Erlebnisse im vorweihnachtlichen Einkaufsrummel sowie mit klassisch geschulten Journalisten, die Lottmann nach seiner Meinung fragen. Links liegengelassen habe ich nur den wirren Bericht über den Ingeborg-Bachmann-Preis. Abgesehen von diesem sind die größtenteils im "Spiegel" erschienenen Berichte differenziert und aufschlussreich, zudem aufgelockert durch autobiografische Bezüge. Sie sind mühelos zu lesen und zeugen von Sinn für Poesie und moralischem Involviertsein. Der nüchterne Stil ist verantwortlich für die große Glaubwürdigkeit: Bewunderung für jemanden auszudrücken geht am überzeugendsten, indem der oder die Betreffende von seiner peinlichsten Seite gezeigt (zum Beispiel die devote Haltung Maxim Billers gegenüber Vorschriften) - und erst dann mit anerkennenden Worten überschüttet wird.
Dass Lottmann zuweilen bei von ihm geschätzten Personen nicht ankommt, z.B. bei Kathrin Passig, verschweigt er auch nicht, sondern gesteht es freimütig - abgeschwächt nur durch Zweifel an der Aufgeschlossenheit Passigs für die Freuden des Lebens. Seine erklärte Abneigung gilt dem gängigen "Meinungsjournalismus". Er möchte nicht zu Problemen des Kulturlebens Stellung nehmen und lässt sich auch nicht von Journalisten, die ihn interviewen wollen, dazu zwingen. Das heißt aber nicht, dass er keine Meinung hat. Hieran lässt die finale Reportage über Kuba keinen Zweifel, in der das Land in vielerlei Hinsicht, zum Beispiel was die Abwesenheit von aufdringlicher Werbung betrifft, als Vorbild beschrieben wird.
Einige (wenige) Reportagen widersprachen meinen Erfahrungen mit den beschriebenen Objekten. Lottmanns Begegnung mit Jens Friebe etwa. Als einen etwas einfältigen Musik-Typen mit einer unerklärlichen sexuellen Ausstrahlung beschreibt er ihn. Jens Friebe wickelt einen in Windeseile um den Finger, das stimmt. Er ist aber nicht so stumpf, wie die Reportage nahelegt und weiß über eine große Bandbreite von Themen zu plaudern. Vielleicht ist an dieser Stelle Lottmann derjenige, der die Freuden des Lebens nicht richtig zu genießen weiß? Schließlich ist noch das einnehmend Bärchenhafte zu erwähnen, das Lottmann zuweilen an den Tag legt, und für das die Vorgeschichte seiner Begegnung mit Ariane Sommer beispielhaft stehen kann, die Schilderung einer Situation, in der sein bescheidenes Ansinnen nach etwas Zärtlichkeit rüde abgelehnt wurde. Solch täppische Hilflosigkeit löst betroffenes Mitgefühl aus. Möge Lottmann inzwischen jemanden gefunden haben, der ihm in solchen Augenblicken Herzenswärme schenkt.
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