Der Autor des Buches vermittelt dem Leser eine "Einfühlung" in die Psychpathologie wie es nur wenige andere vermögen. Auch wenn ich viele(!) Einwände gegen seine Argumentation habe, hat das Buch seine unbedingte Berechtigung. Meinem subjektiven Empfinden nach, ist es ein geniales Buch!
Individual-Therapeuten mögen den "authentischen Totaldefekt" für äußerst destruktiv und nicht nützlich halten. Die Therapieoption des Borderliners wäre ja auch nur "Dressur" und das Loch nie empfundener wahrer und einfühlbarer Liebe kann niemals ausgefüllt werden! Aber wenn es ihn (den Totaldefekt) so gibt, muß die Konsequenz sein, das werdende menschliche Lebewesen in eine absolute Daseinssicherheit und -gewünschtheit einzubetten in der Mutter-Kind-Beziehung unter baldiger Einbeziehung des Vaters oder anderer naher Bezugspersonen.
Das Buch war möglicherweise so nicht gedacht, sondern sozialkritisch. Mindestens jede Woche einmal, erscheinen in der Presse Verbrechen von Tätern, deren Taten nicht mehr einfühlbar sind, die nach Lektüre des Buches dennoch nicht mehr überraschen. Wahrscheinlich war aber auch das darzustellen nicht die Intention des Autors, sondern die subtile und massenhafte Destruktion, die vom blanden Borderliner ausgeht.
A. Lubberich