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Moviemans Kommentar zur DVD: Borat ist technisch ok. Sein Wert ist weniger technisch bedingt, als denn durch sein Originalität bei den Extras und dem Menü bestimmt.
Bild: Das durch seine oft recht wackelige Kameraführung etwas unscharfe und grieselige Bild ( 00.13.40) unterstützt einen gewissen Doku-Einschlag, ist aber technisch gesehen, gerade noch als Durchschnittlich zu bewerten. Auch der Kontrastumfang entspricht eher einer Mitte-der-Neunziger-TV-Produktion, als denn einem aktuellen Kinofilm. Die Skyline New Yorks am Nachmittag hat schon in der Farbgebung etwas von beginnendem Zwielicht. Es fehlt an Leuchtkraft und Trennung zwischen feinen Farbschattierungen. Wird es dann Nacht und die Chaoten verlassen das Fremdenzimmer überstürzt im Eiswagen, dann liefern sich Scheinwerfer und deren Nachzieher ein eindrucksvolles Wettrennen. Die Kompression ist ansonsten als gelungen zu bezeichnen.
Ton: Die deutsche Synchronfassung ist schon aufgrund der bewußt gebrochenen gesprochenen Sprache wenig verständlich, wird aber massiv in den Höhen beschnitten und zudem auch noch sehr eng um den Center herum platziert. In Dialogszenen fällt die ganze Räumlichkeit nahezu vollkommen in sich zusammen, um in Musikeinlagen breit und tief gestaffelt aufzublühen. Während der Rodeoshow (00.28.50) ist sogar ein gewisses Bassfundament unbestreitbar vorhanden. Keine Frage, hier steht, wie schon beim Bild eher ein dokumentarischer Toncharakter auf der To do Liste. Die DTS-Fassung bietet in der Wiedergabe räumlicher Details ein wenig mehr Übersicht, diese Feststellung hat aber eher akademische Ausprägung, als denn eine klare Verbesserung gegenüber der Dolbyspur. Die englischeOriginaltonspur kann sich bei der Dialogwiedergabe etwas klarer in die Ohrmuscheln setzen und bietet ein wenig mehr Hochton. Die russische Tonspur kann man getrost vergessen, denn hier kommt alles inklusive der Dialoge deutlich von hinten und nicht von vorn...wo der Film läuft.
Extras: Das Menü ist eine Schau und ein wirklich gutes Beispiel, wie sehr so etwas schon vorweg auf einen Film einstimmen kann. Etwas unübersichtlich ( vor allem umständlich zu navigieren innerhalb der Extraszenen ) und mit etwas Wartezeit bis zur Anwahlmöglichkeit eines Buttons, aber schon die Beschriftung der Button ist köstlich. Die Extras sind nicht sehr umfangreich, haben es aber ganz dicke in sich. Witzig oder nicht: Ein Button verspricht eine hebräische Tonspur, hinter der nach Anwahl eine wüste Beschimpfung als Jude steckt. Das Gros der Extras wird von 8 Extraszenen mit 24 Minuten Lauflänge bestimmt, die allesamt sehenswert sind. Darin vor allem wichtig, der "Drownwatch" Spot, in dem Borat im Trailer von, na sie wissen schon, auftritt und auch mal mit der Flak auf Badegäste wartet. Leider fehlt hier der "Playall-Button", der das Ansehen aller 8 Szenen hintereinander ermöglicht hätte. Die Promotour zeigt in gut 30 Minuten Laufzeit Eindrücke und Medienberichte im Rahmen des Filmes. Hier wird unter anderem in den Nachrichten über die krude Nationalhymne berichtet. Köstlich. --movieman.de
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Borat Sagdiev (Sacha Baron Cohen), der in einem kasachischen Kuhdorf lebt, begibt sich auf die Reise in die USA, um dort - im Auftrag von "kasachisches Ministerium von Information" - eine Dokumentation über Land und Leute zu drehen. Begleitet wird er dabei von seinem "Produzenten" Azamat Agatov (Ken Davitian) - und einem Huhn. Kaum im New Yorker Hotelzimmer angekommen, absorbiert Borat eine Überdosis amerikanischer Popkultur und verliebt sich beim Zappen in Baywatch-Star Pamela "CJ" Anderson. Es gelingt ihm, Azamat zu einer Fahrt nach Kalifornien zu überreden, wo er CJ finden und heiraten will. Borat lernt also fahren, kauft ein klappriges Auto und der satirische Roadmovie nimmt an Fahrt auf.
Natürlich hat Baron Cohens kasachische Kunstfigur auch jede Menge Rassismus, Antisemitismus und Sexismus mit im Gepäck, was immer wieder zu grotesken Konfrontationen führt. Nämlich, wenn Borats amerikanische Gesprächspartner trotz seiner ständigen Obszönitäten verkrampft versuchen, politisch korrekt zu bleiben. Wie die Feministinnen, denen Borat klarmachen will, dass Frauen - wie wissenschaftlich bewiesen - nur kleine Eichhörnchengehirne haben. Und die betroffen, aber ernst antworten: "Nein, das ist falsch!" Oder chauvinistische Collegeboys Borats Verhalten mit ebenso tumben Ansichten spiegeln. Oder ein Südstaatler Borat den Rat gibt, sich den terrorverdächtigen Schnauzbart abzurasieren. Schreiend komisch sind auch Borats ständige Fehlleistungen, etwa wenn er den Amis in einem Rodeostadion viel Erfolg bei ihrem "Terrorkrieg" wünscht - und dann alle jubeln.
Warnung: Wer bei diesem Film an irgendeiner Stelle lacht (und diese Gefahr ist sehr, sehr groß), sollte sich ertappt fühlen: Denn darf man lachen über einen hinterwäldlerischen Kasachen? Darf man lachen darüber, dass die Wohnung eines Menschen gleichzeitig ein Kuhstall ist? Und er einen Hotelfahrstuhl für ein großes Zimmer hält? Na, egal - man tut es jedenfalls! Wer ganz viel Pech hat, muss sogar über Borats und Azamats Judenphobie, über Borats fehlende kulturelle Einsicht in die Funktionsweise einer Toilette oder gar über Azamats unförmiges Hinterteil lachen, das abend- und leinwandfüllend in vollster Pracht dargeboten wird.
Auf der Reise durch Amerika arbeitet Borat Klischee für Klischee ab. Vom obligatorischen Besuch im Waffenladen über die Schwulenparade bis hin zur christlichen Erweckungsfeier. Das ist über weite Strecken grade deshalb komisch, weil die Reaktionen, die Borat in all diesen Situationen hervorruft, erschreckend authentisch wirken. Was zum Teil daran liegt, dass die Situationen wirklich authentisch sind, nicht umsonst wurde Cohen bei den Dreharbeiten in einem Hotel beinahe verhaftet. Andererseits merkt man dem Film an, dass kein wirkliches Drehbuch existierte - weshalb ihm gegen Ende etwas die Puste ausgeht.
Wer Spaß an Baron Cohens anderer Figur Ali G hat - oder den hiesigen Plagiaten - wird auch über Borat lachen können. Jedoch sollte man seine Warnung ernst nehmen: "Ich hoffe ihr seht meine Film, aber bitte sein gewarnt, da es enthält schmutzige Flüche, sinnlose Gewalt und eine Nahaufnahme des Bishkek von einem Mann. Auch war Film sehr kontrovers in meine Land wegen Menge an Antisemitismus - aber schließlich unser Zensor hat entschieden, dass genug davon drin ist und erlaubte Veröffentlichung."
Heiko Tico Titz