Dieser Film geht an die Grenze, nämlich an die Schmerz- ebenso wie die Geschmacksgrenze. Insofern ist es nicht überraschend, daß sich viele angewidert abwenden, und zwar auch dann, wenn sie nicht humor- oder verständnislos sind. Man kann dem Film jedoch nicht vorwerfen, er würde bestimmte Bevölkerungsgruppen (Juden, Kasachen etc.) verunglimpfen. Erstens ist Sacha Baron Cohen selbst Jude, und zweitens bemerkt er dazu sehr treffend, daß er sich nicht über Kasachstan lustig macht, sondern eher über diejenigen, die wirklich glauben, Kasachstan könne so sein, wie er es hier präsentiert. "Borat" hat in der Tat wenig mit Kasachstan an sich zu tun, sondern eher damit, wie sich der typische Amerikaner östliche Länder und ihre Sitten vorstellt. Man könnte das gesamte filmische Experiment aber sicher auch ohne große Änderungen auf Großbritannien oder andere Länder im westlichen Europa übertragen. Auch bei uns wäre man nicht begeistert, zum Opfer der derben Späße Borats zu werden.
Neben all diesen unappetitlichen Zutaten hat der Film auch wirklich lustige Szenen zu bieten, etwa wenn sich Borat bei einigen schwarzen Jugendlichen Tips zu wahrer Coolness holt, um dann damit im nächsten Luxushotel nicht auf Gegenliebe zu stoßen. Wer sich bei dem Film allerdings tatsächlich pausenlos schlapplacht, muß sich vielleicht schon fragen, ob seine eigene Gürtellinie eventuell schon ein bißchen niedrig gerutscht ist. Cohen macht sich bestimmt einen Riesenspaß daraus, derbe Zoten mit hintergründigem Humor bis zur Unkenntlichkeit durcheinander zu mischen. Nichts läge ihm ferner, als sich darüber zu freuen, wenn er für diesen Film von allen Seiten 5 Sterne bekäme. Von mir bekommt er 4 Sterne, allein schon für den Mut, dieses Projekt durchzuziehen: Auch wenn vielleicht die eine oder andere Szene doch gestellt war - das weiß man ja nie - gehört dazu schon einiges.