Die Vorfreude war groß auf eine Sammlung von Live-Aufnahmen, die Cashs Karriere immerhin über mehr als zwei Jahrzehnte (1956-1979) verfolgt. Es beginnt auch richtig gut mit dem "Big D Jamboree". Zwar ist der Sound sehr rau, aber genau das gibt den Aufnahmen Drive und Charme. Schlechter und dünner wird der Sound dann auf der New River Ranch, vor allem die Stimme ist zunächst sehr stark in den Hintergrund gedrängt. Auf die "Impersonations" hätte man gut verzichten können, deren Spaß hält sich in Grenzen und man müsste das wohl auch sehen. Sie münden in ein grotesk unnötiges "Rock Island Line".
Bei dem Auftritt auf der Long Binh Airbase schreien und johlen dann die G.I.s - das sei ihnen gegönnt vor dem nächsten Einsatz im brutalen Dschungelkrieg, doch ob man es veröffentlichen muss, ist fraglich. Seine (großmauligen) Ansagen sind's schon wert; eine Aufnahme bricht hingegen mitten im Song ab! Warum soll die Nachwelt das hören?
Die (wirklich sinnvollen) Liner Notes bemühen sich, den Auftritt für Nixon im Weißen Haus in einen größeren Kontext zu stellen, denn Cashs Ruf als Counter Culture Icon läuft immer etwas Gefahr, wenn er sich an die Seite solch konservativer Skandalpolitiker stellte. Doch erstaunlicherweise finden sich hier einige der besten Aufnahmen gegen Ende des Sets, bei den Gospelsongs in großer Besetzung.
Osteraker-Songs sind sinnlos, denn das Konzert im schwedischen Gefängnis gibt's doch längst in voller Länge. Bleiben noch verstreute Aufnahmen, von denen "City of New Orleans" richtig toll ist, "Ragged Old Flag" und "One Piece at a Time" in unterirdischer Qualität vorliegen.
Aber jetzt habe ich gerade den überzeugenden Newport-Auftritt nochmal angehört, seine Anmerkungen zu diesem jungen Songwriter Bob Dylan, seine Version von "Don't Think Twice" und den "Long-Legged Guitar Pickin' Man" mit June, und da ist meine Maus doch glatt wieder auf den vierten Stern verrutscht. Eigentlich wären's wohl 3,5...