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Stelle ich mir alle diesen "glorreichen" U-Boot-Filme amerikanischer Machart vor, in denen man den Eindruck hatte, die Besatzung käme in ihrer tauchfähigen Lagerhalle nie ins Schwitzen, so bringt es Wolfgang Petersen wie kein zweiter fertig, die Wahrheit zu zeigen.
Damit meine ich einerseits, daß es ein wahres Wunder ist, daß man an Bord einer 79 Meter langen Stahlzigarre keinen klaustrophobischen Anfall kriegt und, nur als Beispiel, man während des Filmes der Besatzung zusehen kann, wie sie mit den Nahrungsmitteln um die Wette verrottet.
Auch wenn "Das Boot" eindeutig ein Kriegsfilm ist, zeichnete er sich vor allem zum Zeitpunkt seines Erscheinens in den Kinos dadurch aus, daß hier nicht nur herumgeholzt und -geballert wurde (obwohl die vorhandene Action sich auch sehen lassen kann). Ebenso wurde der Welt gezeigt, daß, mal abgesehen vom 1WO der U-96, nicht alle Deutschen damals blutsaufende Naziverbrecher waren.
Und damit bin ich schon bei den Punkten, die mich an dieser Version des Filmes und der DVD stören.
Ich kann noch verschmerzen, daß die Gedanken des Leutnant Werner nicht übernommen wurden, da sie zwar einiges erklären, aber nicht unbedingt handlungsrelevant sind (anders als beim Film "Blade Runner", der durch den Director's Cut verstümmelt wurde). Eine bodenlose Frechheit hingegen offenbart sich jedem, der sich - Sprachkenntnisse vorausgesetzt - den Film mal auf Englisch reinzieht. Ich habe beim besten Willen keine Ahnung, wer für die Übersetzung verantwortlich ist, aber es wurde wirklich ALLES Übersetzungstechnische getan, um in dieser Version die Deutschen als üble Nazi-Bande hinzustellen!
3 Beispiele: 1.) Als die Offiziere beisammensitzen und über Churchill reden. Deutsche Version - 1WO: "Trotzdem. Ich bin überzeugt, daß wir ihn in die Knie zwingen werden." Englische Version (übersetzt): "Trotzdem werden wir dieses Schwein zerfetzen."
2.) Leutnant Werner fragt nach, warum der Leitende Ingenieur nervlich am Boden ist. Deutsche Antwort: "Die Tommies haben Kiel bombardiert. Seine Frau und Kinder leben dort." Auf Englisch: "Seine Frau ist krank. Ermacht sich Sorgen."
3.) Nachdem die Besatzung den Frachter versenkt und die Überlebenden zurückgelassen hat, diskutieren alle über die Befehle, nach denen ein deutsches U-Boot keine Schiffbrüchigen aufnehmen darf. Deutsche Version (Kapitän): "Fragen Sie nicht mich! Fragen Sie die Herren, die diesen Krieg begonnen haben!" Englische Version: "Ich führe meine Befehle aus! Schluß damit!"
Auf diese Art und Weise beweißt also auch "Das Boot", daß man sich Filme immer am besten in der Orginalversion ansehen sollte, falls man die Sprache spricht.
Ich kann ihn jedenfalls jedem Fan von Kriegsfilmen wärmstens empfehlen und wer in das ultimative U-Boot-Feeling während des Films eintauchen will, der sollte die Beleuchtung ausschalten und alle zehn Sekunden an einer Dose Diesel-Öl schnuppern.
Für mich bis heute der beste und erschütterndste Film dieser Kategorie. Bis heute hat es kein Film mehr geschafft den Schrecken des Krieges so schonungslos zu zeigen. Sicher sind die ersten 30 Minuten von „Der Soldat James Ryan" sehr heftig, aber danach strotz dieser Film nur so von Patriotismus und trennt sauber zwischen Gut und Böse wie fast jeder US Kriegsfilm. Es wird nie einen Krieg geben in dem es Gewinner gibt, bei jedem Krieg kann es nur Verlierer geben und das zeigt Wolfang Petersen mit „Das Boot" eindrucksvoll.
Mittlerweile existieren ja drei Versionen dieses Meisterwerks. Zum ersten die damalige Kinofassung, diese kommt aber mit nur 142 min Laufzeit nicht so richtig in die Gänge und wichtige Aspekte des Films gehen verloren. Dann gab es die TV Fassung mit einer Laufzeit von ca. 300 min, welche für mich immer noch die Idealfassung dieses Streifens darstellt. Jetzt gibt es dann noch auf DVD diesen Directors Cut mit 208 min, den ich an und für sich für recht gelungen halte. Was aber erheblich stört ist, das hier ein deutscher Film für den US Markt zurecht gestutzt wurde. Die DVD verfügt zwar über eine deutsche Tonspur, aber der Einleitungstext, der Abspann, die Extras sind nur in englischer Sprache mit meist deutschen Untertiteln verfügbar. Was braucht man eine US gerechte Fassung, schließlich wurde der Film bei den Oscar Verleihungen schön sauber übergangen. Ein Film wie „Der Sodat James Ryan" bekam fünf der begehrten Trophäen, „Das Boot" ging leer aus dies finde ich einfach nur lächerlich.
In den Bavaria Filmstudios in München kann man heute noch das Innere des U-Boots, sowie diverse Modelle betrachten die damals bei den Dreharbeiten benutzt wurden. Durch das Innere des U-Bootes kann man durchgehen und schon das vermittelt einem wie eng das ganze ist und wie schwierig die Dreharbeiten gewesen sein müssen. Bei den Dreharbeiten kam es ja häufig zu Unfällen als wieder einmal alle durch die engen Lucken hechten mußten. Knochenbrüche waren laut Berichten von den Dreharbeiten an der Tagesordnung.
Wolfang Petersen schuf mit einem für heutige Verhältnisse kleinen Budget ein Meisterwerk. Seine Schauspieler mussten sich damals vertraglich dazu verpflichten, während der gesamten Dreharbeiten die Sonne zu meiden. Petersen schickte damals fast die gesamt männliche Regie der deutschen Top-Schauspieler an den Start. Mit Schauspielern wie Jürgen Prochnow, Klaus Wennemann, Uwe Ochsenknecht, Herbert Grönemeyer, Martin Semmelrogge, Claude Oliver Rudolph, Ralph Richter, Günter Lamprecht, Martin May, Erwin Lederer, Hubertus Bengsch, u.a. ist dieser Film wirklich erstklassig besetzt.
Der Schriftsteller Lothar Günther Buchheim schildert in seinem Buch seine persönlichen Erlebnisse die er während des zweiten Weltkriegs als Kriegsberichterstatter (im Film: Herbert Grönemeyer) auf dem deutschen U-Boot U96 erlebte.
Im Kriegsjahr 1942 läuft das deutsche U-Boot U96 vom französischen Hafen La Rochelle aus um im Atlantik gegen feindliche Geleitzüge zu operieren. Über 50 Mann Besatzung sorgen nicht unbedingt für gute Laune nachdem das U-Boot wochenlang bei häufigem Sturm im Atlantik herumdümpelt ohne Feindberührung zu haben. Nachdem ein feindlicher Zerstörer das U-Boot entdeckt, wird dieses stundenlang mit Wasserbomben gejagt. Schließlich stellt sich doch noch ein Erfolg ein, als das U-Boot einen feindlichen Geleitzug angreift und zwei Schiffe versenkt. Als man nach langen Wochen sich endlich mit dem Gedanken an den Heimweg vertraut macht bekommt das U-Boot eine folgeschwere Nachricht des BdU (Befehlshaber der U-Boote). U96 soll am spanischen Atlantikhafen in Vigo den Proviant ergänzen und dann durch die Meerenge von Gibraltar den italienischem Mittelmeerhafen La Specia anlaufen. Das U-Boot wird beim durchqueren der Meerenge vom Feind entdeckt und auch getroffen. Das U-Boot sinkt über 300 Meter tief und läuft dort auf Grund. Die U96 hat erhebliche Schäden erlitten. Man muß das U-Boot wieder flott kriegen bevor die Luft knapp wird. Ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit beginnt.....
Mit jeder Wasserbombe die explodiert zittert man als Zuschauer mit, beim Tauchen des U-Boots hält man stellenweise die Luft um mitzuhören was der Wasserdruck mit der Außenwand des Boots anstellt. Noch nie war Angst in einem Kriegsfilm so spürbar wie hier. Jedem der Besatzungsmitglieder sieht man die Strapzen an. Der Film von Wolfgang Petersen schrieb Geschichte und ist bis heute unerreicht. Klaus Doldinger tat mit seiner Filmmusik sein übriges damit dieser Film so gut wurde.
Leider schreibt diese lieblose Umsetzung für das Medium keine Geschichte. Das hat dieser Film nicht verdient. Wie wäre es, wenn die Verantwortlichen endlich die komplette Fassung dieses Meisterwerks auf in einer DVD-Box mit diversen Extras auf den Markt bringen würden. Das ganze dann aber natürlich vor allem für den deutschen Markt mit deutschen Dokumentationen u.s.w. Der Film hat jedenfalls die fünf Sterne verdient, die DVD bestimmt nicht. Ich persönlich bewerte jetzt einmal nur den Film und der bekommt die volle Punktzahl.
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