Als deutscher Leser dieses Buches im Original muß man -so wie ich- möglicherweise erst zum Kapitel gelangen, in dem Michael Lewis die deutsche Rolle in der EU-Finanzkrise zu analysieren versucht, bevor man endgültig realisiert, wie vorurteilsbeladen dieses Werk daherkommt und pauschale Urteile über Länder und Völker fällt.
Natürlich soll dies Buch gern zu einem zweifellos provozierenden weltwirtschaftlichen Vorgang auch provozierend formulieren. Es bleibt dennoch die Frage an den Autor, wieso in einem Werk, welches sich mit einer Finanzkrise beschäftigt, das Paarungs- und Trinkverhalten von Isländern besprochen wird, oder weshalb eine anthropologische Assoziation aus der 80er Jahren von Fekalien in Bezug auf "the Germans" über mehrere Seiten Raum greift. Auch muß Michal Lewis offenbar mehrfach "the Jews" erwähnen, ohne das es ihm dabei gelingt, einen erkennbaren Zusammenhang mit dem eigentlichen Thema seines Buches herzustellen.
Das ist insgesamt bedauerlich, denn Michael Lewis hat durchaus viele volkswirtschaftliche Zahlen und Vorgänge recherchiert und mit hochrangigen Personen gesprochen, die dieses Buch für politisch und wirtschaftlich orientierte Leser zu einer interessanten Quelle machen könnten.
Eine Alternative formuliert Michael Lewis nicht, und will es vielleicht auch gar nicht. Er beschränkt sich darauf, Fehler zuzuweisen. Das dient sicherlich dem beabsichtigten Kopfschüttel-Effekt beim Leser, aber es sei dann auch der Vollständigkeit halber gesagt, dass ein nach konstruktiven Ideen für zukünftige Wachstums- und Währungspolitk suchender Leser in diesem Buch nicht fündig wird.