Orphan, ein junger Mann ohne Vergangenheit (sein Name kommt nicht von ungefähr) und Poet, könnte glücklicher nicht sein. Sein Herz gehört nämlich Lucy, der für ihn wundervollsten Frau der Welt und er ist kurz davor ihr einen Heiratsantrag zu machen. Allerdings hat das Schicksal andere Pläne. Es kommt zu einem Bombenanschlag, Lucy stirbt und Orphan erfährt auch bald wer dahinter steckt: Der Bookman.
Von Rache getrieben macht er sich auf, den geheimnisvollen Terroristen zu finden, unter anderem auch in der Hoffnung, dass er doch noch eine Chance haben könnte Lucy wiederzubeleben. Sein Abenteuer beginnt.
"Bookman" wird oft dem Steampunkgenre zugeordnet, was einerseits naheliegend erscheint, auf der anderen Seite auch nicht richtig ist. Zwar spielt die Handlung vor einem alternativen neunzehnten Jahrhundert als Kulisse und es existieren auch Elemente wie zum Beispiel sogenannte Automaten (Vorläufer des gemeinen Roboters). Der Fokus liegt weniger auf der Idee diese Parallelwelt zu erkunden oder sie zu kritisieren (Steampunkwelten sind an sich nichts anderes als Cyberpunkwelten in der Vergangenheit), sondern vielmehr darauf diese Welt munter mit verschiedene Figuren des neunzehnten Jahrhunderts (darunter auch welche, die erst im zwanzigsten Jahrhundert geschaffen wurden) zu bevölkern und interagieren zu lassen. Sir Arthur Conan Doyles Gebrüder Holmes haben in dieser Welt genauso ihre Daseinsberechtigung wie der von George MacDonald Fraser erfundene Sir Harry Flashman oder Jule Vernes (der hier auch ein Cameo hat) Kapitän Nemo. Wie in Kim Newmans "Anno Dracula" oder Alan Moores "League of extraordinary Gentlemen" wird fleißig auf andere Werke der Literatur verwiesen und auch die Handlung selbst liest sich mehr wie eine Verbeugung vor den Urvätern des Eskapismus und weniger wie ein eigener Roman.
Damit komme ich auch zum großen Kritikpunkt des Buches: die Handlung ist wenig vorhanden und hauchdünn. Orphan stolpert mehr durch das Buch, anstatt die Geschehnisse selbst in die Hand zu nehmen. Zwar ist das wohl durchaus irgendwie gewollt, aber es nimmt ihn einiges an Zugkraft und Charisma, welches er beides gebrauchen könnte, damit man ihn als Leser nahe kommen könnte. So bleibt immer eine gewisse Distanz zwischen ihm und dem Leser, der diesen in Schwierigkeiten und Ereignisse stolpernden Jüngling nur mit Kopfschütteln bedenken kann. Und während er stolpert bleibt der eigentliche rote Faden recht dünn, mehr eine Ansammlung von abenteuerlichen Episoden, als eine in sich stringente Erzählung.
Bedeudet das, dass "Bookman" nicht spannend und keineswegs unterhaltsam ist? Mitnichten. Zwar mangelt es den vielen Episoden an Substanz, aber sie werden temporeich und flüssig geschrieben erzählt, sodass wohl kaum Langeweile aufkommen wird. So oberflächlich die Welt von Orphan beschrieben wird, so unterhaltsam ist es doch mit ihm die vielen exotischen Orte an die es ihn verschlägt zu erkunden und in diese Welt, eine Welt wie ein Abenteuerroman, zu erkunden, in der Hoffnung dass er und Lucy vielleicht doch noch zusammenkommen werden.
Deswegen hat sich Bookman, trotz der Mängel in der Handlung, seine vier Sterne verdient und darf sich zurecht als ein "gutes" Buch bezeichnen.