Oft sind Bücher wie Wundertüten: Nach einem wunderschönen Einband ist der Leser gespannt auf den Inhalt. Leider stellt man am Ende, nachdem man sich aufgeregt durch die Geschichte gelesen hat, hin und wieder fest, dass die Überraschung, die sich hinter der verlockenden Fassade versteckt hat, doch nicht so toll war wie man es sich erhofft hatte. Cecelia Aherns Romane halten nicht nur immer wieder, was die wunderschönen Cover versprechen, sondern übertreffen es um Längen. Genau so ist es auch mit "The Book of Tomorrow", das meiner Meinung nach mit seinem bezaubernden Einband und dem kleinen goldenen Lesezeichen-Bändchen (in der gebundenen Version) das hübscheste Buch ist, das dieses Jahr erschienen ist. Ich hoffe übrigens wirklich sehr, dass auch die deutsche Übersetzung endlich mal wieder ein anderes, kreatives Cover bekommen wird. Doch nicht nur der Einband, sondern auch die Geschichte selbst hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen. Normalerweise kann ich ein gutes Buch gar nicht schnell genug lesen, um endlich zu erfahren, wie es ausgehen wird, aber mit diesem Buch sollte das anders werden - ich wollte mir viel Zeit lassen und als Ahern-Fan einfach jede einzelne Seite voll und ganz genießen.
Cecelia Ahern ist bekannt dafür, ihre Leser immer wieder in fremde und zauberhafte Fantasiewelten zu entführen - so auch in diesem Buch. Nach einigen Kapiteln hat es mich nicht im Geringsten verwundert, dass in dieser Geschichte ein altes Buch eine wichtige Nebenrolle spielt, dessen Seiten sich wie durch Zauberei selbst füllen. Um ehrlich zu sein, erschien mir diese Tatsache nach kurzer Zeit schon so realistisch, dass ich fast selbst erwartet hätte, auch mein Tagebuch würde mir verraten, was morgen geschieht. Die neue Besitzerin dieses magischen Tagebuchs ist Tamara Goodwin, eine eigentlich verwöhnte und verzogene Göre, die mit dem Selbstmord ihres Vaters nicht nur ihre Designer-Klamotten, sondern auch ihre Mutter, ihre Freunde und ihr gesamtes Leben verloren hat und von nun an mit ihrer trauernden Mutter bei ihrer Tante und ihrem Onkel mitten im Nirgendwo und weit entfernt von ihrer ehemaligen Glamour-Welt in Dublin leben muss.
Dort, in einem kleinen irischen Dorf voller Geheimnisse, beginnt die fesselnde Geschichte, die aus Tamaras Perspektive erzählt wird. Der Leser durchlebt somit Tamaras Trauer und ihre Verzweiflung, die zeigen, dass die Protagonistin eben doch keine selbstsüchtige und verdorbene Tussi ist. Mit vielen Rückblicken auf ihr einstiges Leben, erläutert Tamara Geschehnisse der Vergangenheit und macht deutlich, weshalb sie so ist, wie sie ist und wie anders und langweilig ihr 'neues' Leben ist - bis sie den Geheimnissen ihrer merkwürdigen und viel zu neugierigen Tante Rosaleen auf die Schliche kommt und ihr eines Tages das besondere Tagebuch in die Hände fällt. Bald ist nichts mehr wie es einmal war, das Tagebuch stellt Tamaras Welt auf den Kopf, hilft ihr erwachsen zu werden und somit auch endlich zu erkennen, worum es im Leben wirklich geht. Zusammen mit dem Buch, ihrem neuen Freund Weseley, den ich zuerst für einen Kriminellen hielt, und der ganz besonders liebenswürdigen siebzigjährigen Sister Ignatius, die aufgrund ihres Charmes und Witzes zu meinen Lieblingscharakteren dieses Buches zählt, versucht Tamara schließlich über zahlreiche Hindernisse die vielen Ungereimtheiten ihrer Familie aufzudecken.
Ich hatte bis zur letzten Seite nicht die geringste Ahnung, wie diese unglaublich spannende Geschichte ausgehen würde. Warum wirkt Jennifer, Tamaras Mutter, so komatös? Was versteckt Tante Rosaleen in der Garage? Warum spricht Onkel Arthur so wenig? Wer wohnt im Bungalow auf der anderen Straßenseite und meidet Fremde? Was auch immer ich mir ausgemalt hatte, Cecelia Ahern hat mich (vor allem) mit den letzten Kapiteln umgehauen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass kein Leser so viele Wendepunkte und ein solches Ende vermuten wird - es ist der Wahnsinn! Am Ende konnte ich nicht einmal meine Vereinbarung (mit mir selbst), das Buch langsam zu genießen, einhalten, sondern MUSSTE das letzte Drittel einfach verschlingen.
Man kann "The Book of Tomorrow", wie auch Cecelias vorherige Romane, nicht mit einem Wort beschreiben oder in eine Schublade stecken. Es ist nicht nur Chick Lit, nicht nur Fantasy, nicht nur tragisches Drama, nicht nur Liebesgeschichte - es ist von allem ein bisschen und dieses Mal sogar ein ganz kleines bisschen Grusel-Krimi. Frau Ahern scheint eine ganze Kommode voller Schubladen zu besitzen und bei jedem Buch aus jedem kleinen Schublädchen genau die richtige Menge zu nehmen, um daraus immer wieder eine andere, einzigartige und perfekte Mischung zu zaubern.
"The Book of Tomorrow" ist zwar nicht mein Lieblingsbuch von Cecelia Ahern, aber um dem grauen Alltag zu entfliehen und sich in eine mitreißende Fantasiewelt zu stürzen, ist es perfekt!