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119 von 129 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bezaubernd, 28. Oktober 2007
Schon das Buchcover hat es mir angetan: Ein Mädchen, das mit dem Tod tanzt. Ganz selbstverständlich, keine Dramatik, nichts überflüssiges. Kind und Vergänglichkeit geben sich die Hand. Dass die Geschichte vom Tod erzählt wird, fand ich originell und mutig, schließlich war dieses Buch, so schien es mir, vorwiegend für Kinder/Jugendliche konzipiert. Einer der ersten Sätze im Buch lautet: "You are going to die". So aus dem Kontext gerissen, könnte man nun meinen, dies solle bedrohlich wirken. Ganz und gar nicht. Markus Zusak schafft es den Tod als natürliche Konsequenz darzustellen, er präsentiert ihn nicht als Feind sondern als Bestandteil des Lebens und macht ihre gegenseitige Wechselwirkung sichtbar. Der Tod als genauer und teilweise zynischer Beobachter der Menschen erzählt uns die Geschichte von Liesel Meminger, einem Mädchen, deren Eltern, angeblich kommunistischer Gesinnung, Opfer des Nationalsozialismus wurden. Die Vielschichtigkeit dieses Buches ist besonders hervorzuheben:
Geschichtlicher "Hintergrund" (das wort Hinter scheint mir irgendiwe unangebracht, da er einen Großteil des Außen- und Innenlebens der Protagonisten bestimmt)ist Deutschland von 1938- 1943, also die Blütezeit des Naziregimes. Der Autor vermeidet jedoch eine zeigefingerhafte Verurteilung, tut sich nicht als großer Richter hervor, sondern schildert all diese bedrückenden, menschenfeindlichen Ereignisse ohne jede Dramatik, bewahrt Objektivität. Er überlässt es also seinen Protagonisten und uns, den Lesern, zu fühlen, zu beurteilen. Alle Geschehnisse gelangen unaufbereitet in unsere Köpfe und gerade diese schmucklose Schilderung hat eine Authentizität bewirkt, die mir all diese Verbrechen gefühlsmäßig näher bringen konnten als die meisten anderen Bücher.
Zusak schafft es seine Protagonisten zum Leben zu erwecken, sie mit ihren Vor- und Nachteilen darzustellen. Niemandem wird eine gute oder böse Rolle zugeschrieben. Er kommt mit seinen Schilderungen zwischenmenschlicher Beziehungen, in meinen Augen, dem was man Liebe nennen könnte, sehr sehr nahe: Die Achtung,der Respekt gegenüber einem andrene Menschen trotz seiner zahlreichen Fehler, Zuneigung trotz Unvollkommenheit,die Bereitschaft dem anderen beizustehen,zu ihm zu stehen, Risiken dafür einzugehen, ohne sich selbst aufzugeben.
Ein weiterer, der fast wichtigste Aspekt, scheint in diesem Buch die Sprache: Einerseits, die Sprache, die Wörter als eine der stärksten Waffen des Nationalsozialismus, anderseits die Sprache als Identität der Protagonisten und das Konsumieren und Produzieren jener als Bekenntnis ihrer Sprachliebe. Ja, und natürlich das problematische Verhältnis, das diese beiden Aspekte zueinander haben.
So, dass ich nun endlich zum Ende komme: Meines Erachtens ein Buch für Menschen, die an Ursachen interessiert sind,etwas lernen wollen, Sprache lieben, gerne zwischen den Zeilen lesen, Kreativität schätzen, sich unserer Vergäglichkeit bewusst sind, Märchen mögen, einen gewissen Zynismus an den Tag legen, hinschauen wollen und vorallem unsere Menschlichkeit akzeptieren können.
Ein Buch voller Abgründe, Alltäglichkeiten, Wunder und Weisheit.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
You little Saumensch!, 12. November 2009
Lets go, Saukerl! What do you bet, you little Saumensch? She schmunzelled. They returned to Frau Dillers, Heil Hitlered and waited. - Dieses Buch sollte man, wenn man es denn vermag, unbedingt auf Englisch lesen. Der Sprachwitz, der durch die bajuwarischen Brocken entsteht, geht unweigerlich verloren, wenn eine Übersetzung ins Deutsche vorliegt. Und die Sprache, die Markus Zusak entwickelt, ist ganz hervorragend geeignet, den Leser nicht mehr von der Angel zu lassen, hat er erst einmal angebissen.
Wir begleiten in The Book Thief Liesel Meminger durch fünf Jahre ihres Lebens im Hitlerdeutschland. Sie ist neun Jahre alt, als sie einer Pflegefamilie übergeben wird, die in der Himmelstraße in Molching wohnt, einem Vorort von München.
Der Tod selbst erzählt uns ihre Geschichte, auf eine Art und Weise, die mir in der Literatur noch nicht begegnet ist. Er ist nicht der grausame Sensenmann, sondern er tut einfach nur seine Arbeit, und die fällt ihm oft genug nicht leicht. Er weiß jedoch, dass alles Meckern oder Aufbegehren vergeblich wäre, also verrichtet er seinen Dienst so human - ist das Wort angebracht? - wie möglich.
Die Zeit, in der die Markus Zusak die Erzählung angesiedelt, ist alles andere als human. Manchem ist der Tod ein willkommener Besucher, mancher sucht ihn gar bewusst, weil das Leben unerträglich geworden ist. Viele holt der Tod auch ungefragt, weil The Führer nun einmal seine Wege geht.
Liesels kindliche, aber keineswegs kindische Perspektive auf das Leben wirkt von der ersten bis zur letzten Seite des Romans glaubhaft, es gelingt dem Autor, sich und den Leser in dieses Mädchen hineinzuversetzen. Das Kleinstadtleben unter den Nazis verändert sich langsam, jedoch unaufhaltsam. Misstrauen unter Nachbarn wächst, die Juden verschwinden aus der Stadt, um später in Ketten durch Molchings Straßen nach Dachau geführt zu werden, Hunger und Mangel nehmen zu. Und dennoch bleiben Kindheitsrituale wie Fußballspiele auf der Straße unverändert, hat das Leben auch heitere Facetten.
Markus Zusak hat für dieses Buch zwar keine herausragend neue Handlung ersonnen, aber er erzählt die Geschichte auf fesselnde Weise. Sein handwerklich makelloser Umgang mit der Sprache (wobei mitunter für den deutschen Leser die bayerischen Schnipsel in den Sätzen ziemlich amüsant sein können) ist das eine, die liebevolle Gestaltung des Buches mit kleinen Skizzen und Bildern, optisch herausgehobenen Anmerkungen des Todes zum Geschehen und die gelegentlichen Zeitsprünge das andere, was dieses Werk so einzigartig macht. Ich neige nicht zu Superlativen, aber hier ist ein klares Wort am Platz: The Book Thief ist eines der besten Bücher, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe.
Mein Fazit: Wer sich auf die Lektüre mit ihren überraschenden Eigenarten einlässt, beschenkt sich mit einem Leseerlebnis der unvergesslichen Art. Das Buch ist manchmal dramatisch, es ist zeitweise komisch, es ist stellenweise tragisch. Das Buch ist eben wie das Leben selbst.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Interesting but trying too hard to be different, 25. Juni 2009
'The Book Thief' is the story of Liesel Meminger, the eponymous book thief, and it is told by Death who over the years was more than once in Liesel's vicinity and became fascinated by her. The book is set during World War II. Liesel is brought to the fictional small town of Molching (presumably based on Olching an der Amper) where she is rasied by foster parents. A good part of the events described are pretty mundane: Liesel goes to school, makes friends, plays football, etc. The War and the Nazi regime add some danger and suspense. Additionally, there is of course Liesel's penchant for book stealing.
The story in itself is not particularly unusual: normal people in a normal town doing some normal and some not so normal things in extraordinary (thank goodness) times. The unusual narrative style, Death as the narrator, the interruptions of the story for explanations or translations etc., the thick sprinkling of German phrases may have been employed to turn this book into something more interesting and hence more marketable, but perhaps I am just being cynical. To me it did not seem to add anything to the story and appeared more like a mannerism than something that developed naturally. I had great difficulties getting used to this style and becoming involved in the story. Once I was able to do that, I was gripped by the tale and could enjoy the book.
A few words, however, on the German. The author obviously has a good grip on German, BUT some of the translations he provides are just plain wrong. A "Watschen", for example, is not 'a good hiding', it is a slap in the face. I also never have heard the phrase "Saumensch" in my life, neither have the friends I asked. There are also no sash windows in Germany. These mistakes did definitely reduce my enjoyment of the book.
Altogether, I thought 'The Book Thief 'a fine book but on occasion quite irritating.
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