Zakk Wylde ist ein Meister an der Gitarre - darüber dürfte, quer über alle Konventionen hinweg, Übereinstimmung bestehen.
"Mietgitarrist" für Ozzy Osbourne; so kannte man Wylde ursprünglich, der noch als Teenager der Truppe um den Madman beitreten durfte. Aktuell als Bandleader, ja One-Person-Show Black Label Society bekannt, hier vor allem - natürlich neben der gitarrischen Finesse - ob seines "Holzfällerstatus": lange Haare, furchterregende Statur mit 50iger-Oberarmen (wem dies etwas sagt, wird ungläubig staunen), Einsiedler-artige Bartbehaarung à la Rasputin selig.
Damals noch war Wylde vergleichsweise ein Hänfling: die langen Haare gab es schon, ebenso die Fertigkeiten am Instrument - nur war der Künstler insgesamt noch deutlich femininer, zarter, weicher.
Davon kündet auch dies Werk: Wenig ist vom genialen Gefeuerwerke der "P&G"-Gruppe geblieben; kaum ausfallende Soloorgien am Gerät, wenig Verzerrung; dafür ruhige, entspannte Atmosphäre, intim. Auch die Stimme des Meisters erweist sich noch als weniger testosterongetrieben, viel verletzlicher wird hier alles dargeboten.
Die Songs sind allesamt großartig: "Between heaven and hell" ist ein noch eher gemütlicher Beginn, ehe mit "Sold my soul" ein ganz großer Song anhebt: die Seele dem Teufel verschrieben, greint, brüllt und schreit sich Wylde die Verzweiflung vom Leib; sagenhaft emotionale Soli! Die nächsten Titel sind durch die Bank ruhige Hits, bevor mit "Too numb to cry" wieder ein verzweifeltes Juwel einsetzt. "1,000,000 miles away" wiederum, ein Vorgriff auf die schwarzmarkige Society, weist Wylde als Meister der verzerrten Les Paul aus: hier tobt sich einer aus, der es kann. So soll es sein!
Die zweite Disc als Bonus glänzt vor allem mit einer Akustikversion des BLS-Evergreens "Peddlers of death", das einige Jahre später auf deren Debüt erscheinen (und einer der ersten Hits werden) sollte.
Kurzum: ein tolles Stück Musik mit einem Zakk Wylde, wie man ihn in späterer Zeit nach erfolgter Transformation (siehe oben) mit wenigen Ausnahmen ("Dead Meadow", "In This River", "Spoke in the weel" und natürlich die grandiose "Hangover Music Vol VI") nicht mehr hören sollte.