Ein sehr gut gemachter und oft witziger Film über das Pornobusiness in den USA am Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger Jahre. Eigentlich aber auch ein Film über das Scheitern von Lebensträumen allgemein und darüber, dass nach den geplatzten Träumen das Leben dann doch irgendwie weiter geht. Und auch darüber, dass Familie etwas ist, was nicht durch Geburt entstehen muss, sondern auch durch gemeinsames erleben wachsen kann.
Der siebzehnjährige Eddie kann eigentlich nichts. Außer gut Vögeln. Und er hat auch eine anatomische Besonderheit, nämlich ein Instrument dazu, was den Durchschnitt etwa um das Doppelte übersteigt. Und so wird er schnell von einem Pornoregisseur entdeckt, darf viele Filme drehen und wird ein Star der Branche. Leider kommt dann Video, was die Budgets der Filme drastisch reduziert, und das mit den Drogen tut Eddie alias Dirk Diggler auch nicht wirklich gut. Denn sein bestes Stück ist immer öfters aus der Form. Schneller Aufstieg heißt wohl doch schneller Fall, das will uns die Geschichte wohl sagen.
Aber es geht hier nicht nur um die zentrale Figur von Eddie, der versucht, sich als Dirk neu zu definieren. Um ihn herum versuchen das weitere Menschen. Da ist Maggie alias Amber, die Ehefrau des Regisseurs, die versucht, eine gute Mutter zu sein. Und während das beim eigenen Kind nicht gelingen will, wird sie es aber für ein paar ganz andere Leute. Da ist das Rollergirl, eine Pornodarstellerin mit abgebrochener Highschool, die mit ein paar Geistern aus der Vergangenheit klarkommen muss. Dirks Filmpartner will lieber Zauberer werden. Maurice, der Barbesitzer, wäre gerne Pornostar. Ein weiterer Pornostar dagegen hätte lieber ein Geschäft mit Stereoanlagen. Alle diese Träume müssen erst einmal scheitern, ehe die Menschen kapieren, dass sie nur gemeinsam eine Chance auf Glück haben. Das könnte schrecklich kitschig anzusehen sein, ist hier aber wunderbar verfilmt.
Mark Wahlberg gibt den Eddie bzw. Dirk. Eine sehr gelungene Darstellung. Julianne Moore darf als Mutter des Hauses brillieren und dabei noch eine ganze Menge Erotik ausstrahlen. Heather Graham hat mal wieder eine wunderbare Nacktszene, darf sonst eine eher schräge Performance als gewollt süßes Rollergirl liefern. Einmal darf sie dann überzeugend explodieren. Burt Reynolds Darstellung des Regisseurs wird überall sehr gelobt, seine Rolle ist aber aus meiner Sicht auch die mit den wenigsten Anforderungen weil nur geringen Änderungen im Lauf der Geschichte. Aber dafür sind auch weitere Nebenrollen herausragend besetzt, man kann sie hier kaum alle aufzählen.
Handwerklich ist der Film vor allem in Ausstattung und Musik gelungen. Beides sorgt für einen gelungenen Ausflug in die damalige Zeit. Der Film hat mich insbesondere an meinen eigenen Jahreswechsel zu 1980 erinnert. Selbst die Badehosen passen. Das Drehbuch scheint mir in vielen Dialogen auch den spezifischen Wahnsinn der damaligen Zeit gut zu treffen. Es kommt klar heraus, wie orientierungslos die Menschen in vielen Punkten waren. Dadurch entstehen manchmal aber auch Längen, denn der Zuschauer verliert dann auch etwas den Zusammenhang zwischen Handlung und Dialog. Man merkt auch an den vielen, auf einer zweiten DVD dokumentierten, geschnittenen Szenen, dass die Regie hier mit der Laufzeit des Films zu kämpfen hatte. Denn immer wenn man mal wieder etwas über die damalige Zeit erzählt, verlangsamt das die Handlung. Und so ist mit durchaus verständlich, warum die geschnittenen Szenen hier aus dem Film genommen wurden. Sonst ist vor allem das Essay über den Film bemerkenswert, das auf die Innenseite der Verpackung aufgedruckt ist.
Eine witzige, wohl aber gefakte Schlussszene bietet einen gelungenen Abschluss des Films. Ansonsten gibt hier allerdings kaum Porno zu sehen.