Damit da gar kein Zweifel aufkommt: mein ultimativer Mr. Boogie ist und bleibt ROB TOGNONI - das war vor dem Kauf der vorliegenden CD so und wird auch zukünftig so bleiben. Aber: OMAR & THE HOWLERS sind verdammt nah 'dran!!!
Kennengelernt habe ich Mr. Kent Dyke eher zufällig bei einer Aufzeichnung der Leverkusener Jazztage 2005 im TV. In Jazz-Sendungen schaue ich nur noch gelegentlich, denn diese Stilrichtung besitzt für mich nicht mehr den gleichen Stellenwert, wie noch vor 20 Jahren. Wasisndas??? Hab' ich mich gefragt, was ist das für ein Tier?!? Mr. Dyke ist nämlich live ein echter Howler und ich kann seine Live-Scheibe "Bamboozled" nur allerwärmstens empfehlen!
"Boogie Man", sein Studiowerk von 2004, steht dem nicht viel nach, nur das dieser Bär live noch viel besser 'rüber kommt - aber das ist ja bei vielen Blues-Rockern nicht anders. OMAR schüttelt herzhaft des Teufels Hand - heraus kommt dabei teuflich Gutes: was für eine Stimme, was für eine Gitarre!
OMAR & THE HOWLERS mixen gekonnt Boogie und Blues mit sattem Texas-Rock - und siehe da: die Texaner sind mit Chris Duarte, Jon Dee Graham, Tommy Shannon und Chris Layton zahlreich vertreten, und drücken dem Album ihren Stempel auf.
Los geht's mit flottem Boogie - der Titelsong und "Bamboozled" kochen einen so richtig auf Betriebstemperatur hoch, um dann mit "Stone cold Blues" den ersten Hammer loszulassen. Allerfeinste Gitarrenarbeit ist angesagt - das Ganze groovt locker auf einem unwiderstehlichen Rhythmus, großartig! Das erste Cremeschnittchen!!!
"White crosses" wildert in Texas-Rock, mit satten Tex-Mex-Einflüssen - vielleicht eine Spur zu glatt produziert. Die 'Double Trouble'-Rhytm-Section shuffelt uns dann "Drowning in love" um die Ohren - SRV hätt's kaum besser hin bekommen. Dann folgt der Ober-Heuler: "Shakin'" - Omar schreit sich die Seele aus dem Leib, begleitet von rattenscharfen Gitarren schraubt sich dieser Track in wilde, ekstatische Höhen.
"Right there in the rain", dieses Duett mit Alejandro Escovedo, ist für mich der schwächste Song - diese Nummer ist mir eindeutig zu seicht, aber das ist Geschmackssache! Doch direkt darauf folgt ein weiterer Killer: "Bad in a good way" - die beiden Gäste Duarte und Graham duellieren sich mit schärfsten Gitarren-Attacken, ein Monster-Track!!!
Dann schauen noch ZZ Top um die Ecke: "That's just my life" und "Mississippi mud" - die Slides und der pumpende Bass erinnern verschärft an die ollen Bärte, aber an die Frühwerke nicht an den zahnlosen Brei, den sie uns zuletzt serviert haben.
Schlußpunkt ist "All the love we can stand" ein staubtrockener, bei uns heißt das 'forzzdrogge', Texas-Blues. Das ist ein echter Reißer, ein Amuse geule, das auf nachfolgende Alben Appetit machen soll.
Seit 1980 ist Kent Dyke bereits im Geschäft und so manche Scheibe ziert seinen Weg. Mit "Boogie Man" ist ihm rundum ein großer Wurf gelungen. Leider gibt es -für meine Ohren- doch ein, zwei kleinere Hänger. Der Freunde an diesem gelungenen Album tut dies keinen Abbruch: hochverdiente 4 Sterne für den Howling-Boogie-Man!!