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Dass dieser Roman kein gewöhnlicher ist, erschließt sich schon beim Motto: Es stammt von Adolf Hitler. Doch dieses Tabu ist bei weitem nicht das einzige, an dem
Fight Club-Kultautor Chuck Palahniuk rührt. Das Thema als solches (13-jähriger Junge aus einem nicht näher genannten Land kommt als Austauschschüler in die USA, um sich in einer typisch amerikanischen Gastfamilie als „Schläfer“ einzunisten und später terroristisch tätig zu werden) birgt schon einiges Aufregungspotenzial, und in der Ausführung ist der Autor dann auch nicht gerade zimperlich: Das Buch trieft von Blut und Sperma; Obszönitäten (von der Dildo-Party der Gastmutter bis zur Anal-Vergewaltigung eines Jungen im Kaufhausklo) werden ebenso wenig ausgelassen wie heftige Gewaltszenen.
Doch die eigentliche Provokation ist die Sprache: Palahniuk lässt seinen 13-jährigen Ich-Erzähler (der sich selbst nur „Agent Ich“ nennt) ein groteskes Kauderwelsch sprechen, das zum einen rührend-komische Elemente eines Fremdsprachenanfängers enthält, zum anderen aber auch von einer entlarvenden Direktheit den beschriebenen Menschen, Dingen und Zuständen gegenüber ist. Das ist – das sollte man wissen, bevor man dieses Buch kauft – ziemlich gewöhnungsbedürftig und nicht leicht zu lesen, wie eine Light-Version von Finnegans Wake etwa. Aber wer sich hinein- und hindurchbeißt, wird fürstlich belohnt: Das Buch sprüht auf jeder Seite, in jeder Zeile, in fast jeder (übrigens kongenial übersetzten) Wortneuschöpfung von einer solchen Komik, dass man es kaum fassen mag.
Keine leichte Kost also, sprachlich nicht und inhaltlich nicht, und doch ein pures Vergnügen. Palahniuk ist es gelungen, eine (im wahrsten Sinne des Wortes: vernichtende) Kritik an der Verderbtheit, Dekadenz und Falschheit des amerikanischen Gesellschaftssystems und insbesondere der amerikanischen Familie in eine einzigartige experimentelle Form zu gießen. Dieses Buch ist Sprengstoff, und es ist große Literatur. -- Christoph Nettersheim
Pressestimmen
„Palahniuk hat einen großen Teil der amerikanischen Gegenwartsliteraten rechts überholt, als die brav im Stau vor einer Ampelanlage standen, die er mit quietschenden Reifen bei Rot überquerte. Er hat nichts mit der kultivierten Schläfrigkeit eines Richard Ford gemein, aber viel mit der explosiven Anarchie eines David Foster Wallace oder George Saunders. Palahniuk ist ein radikaler Erzähler, seine Zeilen haben Speed, seine Bilder beschleunigen sich zu radikalen Kamerafahrten.“ (
Die Zeit )
„Ein lobenswert unbarmherziger Autor, der Inhalt wie Form nicht nur beherrscht, sondern jedes Mal neu für sich selbst erschafft.“ (
Berliner Literaturkritik )