Es gab eine Zeit da kleideten sich junge Frauen wie Bonnie, die Protagonistin des vorliegenden Films. Im Fotoalbum meiner Tante sehe ich, dass diese Filmheldin einst stilbildend war. Der Song " Bonnie und Clyde " ist nicht der Soundtrack zum Film. Ich glaubte es bislang, warum auch immer.
Am Wochenende sah ich mir den 1967 gedrehten Streifen endlich an. Meine Erwartungshaltung war groß, schließlich handelt es sich um einen Kultfilm.
Warren Beaty, den Mann mit dem Silberblick, sah ich erstmals in einer Filmrolle, bislang war er mir nur als einer der größten Schürzenjäger von Hollywood bekannt. Blöd scheint er nicht zu sein, sonst hätte ihn Susan Sontag nicht erhört. Was Frauen an ihm finden, muss sich unter seinen Kleidern erst enthüllen. Im Film konnte ich es nicht erkennen. Fröhlich ist er. Das macht ihn sympathisch.
Die hinreißend schöne Faye Dunaway spielt die weibliche Hauptrolle. Sie dominiert den Film durch ihre erotisch, distanzierte Aura. Beatty (als Clyde) wirkt an ihrer Seite wie ein großer Junge.
Der Film selbst ist im Grunde handlungsarm. Bonnie und Clyde begegnen sich in den Rezessionszeiten der 1920er Jahre im Südwesten Amerikas. Sie werden ein Liebes- und Gangsterpaar, rauben Banken aus, erschießen Menschen, die ihnen im Wege stehen ohne eigentlich kaltblütig zu sein und werden am Ende selbst erschossen. Es fließt viel Blut im Film, aber es wird auch viel gelacht. Eigentlich passt das nicht zusammen. Man ist zunächst irritiert. Das Lachen ist allerdings kein makaberes, sondern vielmehr ein fröhliches, ausgelassenes, aber auch irgendwie Unsicherheit überdeckendes Lachen, das besonders heftig dann zu hören und zu sehen ist, wenn moralisch bedenkliche Situationen gezeigt werden. Am Anfang war ich etwas verwundert, doch dann ist mir die Botschaft klar geworden. Das überzogene Gelache will dem Zuschauer verdeutlichen, " Hallo, keine Panik, das ist bloß ein Film! " Die Brutalität wird verlacht, die Täter als unerwachsen gezeigt.
Clyde ist sogar impotent. Er wächst durch die Liebe zu Bonnie, die ihn zunächst platonisch liebt, ihm sogar Gedichte schreibt und erhebt sich mit ihr im gemeinsamen Sterben in die friedlichere Welt des Todes.
Schöne Bilder von alten Autos und sonnendurchfluteten Landschaften auch surreale Szenen unterschiedlichster Art machen den eigentlichen Reiz des Films aus.
Clydes Sexualwünsche zeigen sich in einem Streichholz, das er permanent in den Mund nimmt und das nach oben zeigt, sobald er mit Bonny flirtet, oder in seiner Waffe, die er fast zärtlich streichelt, wenn er seine Gangsterbraut verunsichert anlacht.
Bonny lässt sich mit Zigarre im Mund und Waffe ablichten, sie posiert vor einem Oldtimer und demonstriert, dass sie sich Clydes phallische Symbole zueigen gemacht hat. Amüsiert spielt sie mit ihnen.
Hüte man sich davor in diesem Film intellektuellen Tiefgang auszuloten. Daraus wird nichts.
5 Sterne für die Schauspielerin Faye Dunaway. Sie ist eine Göttin in diesem Film.
Die Ton- und Bildqualität sind o.k.
Überzeugen Sie sich selbst.