Natashas neue CD wäre ein Fall für die Spalter-Fraktion in deutschen Musikzeitschriften, vorausgesetzt man würde Natasha in den Redaktionen kennen, was nicht das Fall ist. Natürlich zu Unrecht, das mal vorweg. Jeder, der sich für zeitgenössische französische Popmusik interessiert, also nicht nur für die trendige Le Pop-Fraktion, sondern auch für die ewigen üblichen Verdächtigen, also Mylene, Jeanne, Elsa, Lorie und wie sie alle heissen, der kommt an Natasha St Pier nicht vorbei. Nach anfänglichen Belanglosigkeiten Anfang bis Mitte der Nullerjahre kam LONGUEUR D'ONDES, ihr Klassiker, ein französisches Album für die Ewigkeit, mit wundervollen tiefen dunklen melancholischen Songs. Dann kam das selbstbetitelte Nachfolge-Album (auch noch sehr gut), und nun das: don't judge a book by its cover, doch in diesem Falle hauts definitiv hin. Ein Sommeralbum (was immer das sein soll) mit lauter netten, radiotauglichen, lustig dahinplätschernden Nichtigkeiten, ein Stück bunter und oberflächiger als das andere, Lieder mit denen man barfuss beim Fernsehgarten auftreten kann ... ich zumindest erwarte von Natasha mehr als schlagerhafte Gutelaunesongs, ich weiss dass sie mehr draufhat.