Ich erinnere mich gut an dieses Buch im eher überschaubaren elterlichen Bücherregal: Ich hatte gerade erst zu lesen begonnen und Nachmittage damit verbracht, die Buchtitel zu entziffern. An diesem blieb ich immer wieder hängen, konnte ich doch mit dem französischen Titel nichts anfangen. Später dann begegnete mir das Buch immer wieder und blieb eines von denen, die "man immer mal lesen wollte".
Nun ist "Bonjour Tristesse" - erstmals Mitte der Fünfziger Jahre erschienen - in einer wunderschönen Ausgabe bei Schirmer und Graf neu aufgelegt worden und ich habe mein Versäumnis endlich nachgeholt.
Mit diesem Buch begründete die französische Schriftstellerin ihren Weltruhm. Mit gerade mal achtzehn Jahren hatte sie eine Geschichte veröffentlicht, die den Ton der Zeit traf und auch heute noch zündet.
Wenn man die Fotos im Buch betrachtet, wird man den Eindruck nicht los, dass sich Francoise Sagan, die ebenfalls dem schönen Leben an der Cote d´Azur verfallen war, selbst porträtiert.
Ein langer, nicht enden wollender Sommer in Saint Tropez: Cecile verbringt die Ferien mit ihrem sehr attraktiven Vater in einer großen Villa. Er hat eine seiner vielen Freundinnen mitgebracht, die Cecile eher beiläufig wahrnimmt. Stellt sie doch eigentlich keine Gefahr dar, ihr die Ferien und das süße Nichtstun zu vermiesen. Umso überraschter ist sie, als auch Anne - eine selbstbeherrschte, kluge Freundin ihrer verstorbenen Mutter - der Einladung ihres Vaters folgt. Cecile bewundert Anne, als sie jedoch feststellt, dass Anne und ihr Vater sich verliebt haben, beginnt sie ein perfides Spiel...
Nach einem Start, der harmlos und leicht wie eine Sommerbrise daherkommt, entwickelt dieser Roman schließlich die Wucht eines Kammerspiels. Mit nahezu unschuldiger Grausamkeit agiert die siebzehnjährige Cecile, die gewohnt ist, das zu bekommen, was sie haben möchte. Vor atemberaubender Kulisse entwickelt Francoise Sagan ihre Geschichte mit nahezu schlafwandlerischer sprachlicher Rafinesse.
Francoise Sagan hat in ihrem Schriftstellerinnenleben noch viele weitere Romane, Erzählungen, Stücke und Artikel veröffentlicht. Damit gelang es ihr, ihr recht ausschweifendes Boheme-Leben zu finanzieren und auch durchaus erfolgreich zu sein.
Mit "Bonjour Tristesse" gelang ihr allerdings etwas Einmaliges: Den Roman einer Generation zu schreiben und dennoch zeitlos zu sein.
Eine wirkliche Entdeckung!