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Herausgekommen ist eine Darbietung alter Musik, mit durchaus zeitgemässen Rhythmen, auf klassischen und modernen Instrumenten gespielt, perfekt aufgenommen.
Die Kombination der Würde und Ebenmässigkeit mittelalterlicher Musik mit Richard Thompsons elektrischer Gitarre, eingerahmt von den Fairport-Gefährten Mattacks / Pegg / Nicol, macht diese Platte zu einer "runden Sache".
Wer Richard Thompsons ältere Aufnahmen in Arrangements mit alten Instrumenten mag, und nicht auf den rockigen Sound oder die bittere Stimmung angewiesen ist, und auf Gesang verzichten kann, wird diese CD zu schätzen wissen.
Es mag auf den ersten Blick ziemlich merkwürdig erscheinen, aber für mich besteht zwischen Renaissance- und Rock-Musik eine natürliche Affinität, trotz des Zeitunterschieds von rund 500 Jahren. Die Gründe kann man kurz und knapp beschreiben:
- Beide Stile sind in des Wortes bester Bedeutung volkstümlich, d. h. populäre Musik. Zwar gibt es hier wie da gewisse "elitäre" Ausprägungen (in Bezug auf die Renaissance eine höfische Komponente), aber im Grunde genommen - vor allem in den tanzbaren Formen - ist es jeweils eine Musik für alle.
- Die Stilmittel von archetypischer Rock- und Renaissance-Musik sind einander sehr ähnlich: meist kleine, überschaubare Besetzungen (Band-Charakter), starke Ausprägung rhythmischer Elemente, Solo-Stimmen reduziert auf ein oder zwei Instrumente, Betonung und Wiederholung von gleichbleibenden musikalischen Motiven (Riffs), ausgeprägter Drive (im Sinne einer möglichst "elektrisierenden" Wirkung im Hinblick auf Gruppendynamik und Tanz).
Die Interpreten, die auf "The Bones of all Men" uneingeschränktes audiophiles Hörvergnügen garantieren, sind fast durchwegs feste Größen in der Musikwelt. An erster Stelle ist Philip (Phil) Pickett zu nennen, Großbritanniens führender Virtuose für Holzblasinstrumente, weltbekannter Leiter des "New London Consort" und jahrelang Mitglied einer Folkrock-Formation - Philip der Vielfältige. Ihm kongenial zur Seite steht Richard Thompson, das britische Songwriter-Urgestein, bekanntlich ein erstklassiger Gitarrist, der auf eine endlos lange Reihe von LP- und CD-Veröffentlichungen zurückblicken kann. Die Rhythmusgruppe ist identisch mit der 98er-Besetzung von Fairport Convention - Simon Nicol (Rhythmusgitarre), Dave Pegg (Bass), Dave Mattacks (Drums). Die junge Sharona Joshua spielt sämtliche Tasteninstrumente wie Virginal und Clavichord. Ergänzt wird die Gruppe von Pavlo Beznosiuk, laut CD-Booklet "the Heifetz of the medieval fiddle".
Zusammen entfachen die 6 Musiker (Beznosiuk tritt nur sporadisch in Erscheinung) ein wahres Feuerwerk an eingängigen und dennoch raffiniert arrangierten Instrumentalstücken, die manchmal mitreißend kraftvoll, dann wieder getragen und melodisch, aber immer dicht und kompakt klingen. Begeisternd ist der stets wiederkehrende Dialog zwischen Picketts Flöte und den Kommentaren von Thompsons E-Gitarre. Die überwiegend aus Italien, zum Teil aber auch aus Deutschland und England stammenden Kompositionen werden nahezu naturgetreu wiedergegeben, erhalten jedoch durch die Rock-Instrumentierung eine zusätzliche Dynamik und Tiefe, ohne dass ihre Originalität dabei im geringsten angekratzt wird.
Fazit: ein in jeder Hinsicht stimmiges Highlight, das nie langweilig wird und das selbst nach Jahren zu begeistern vermag.
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