Die Comicserie "Bone" wurde von Jeff Smith erschaffen und erfreut seit 1991 ihre Fans. Ursprünglich ist sie in Schwarzweiß erschienen, aktuell gibt es zusätzlich eine kolorierte Fassung. Neben der Originalgeschichte, die in dieser Version neun Bände umfasst, gibt es zwei ergänzende Bände. "Bone: Legenden" und "Bone: Rose". Letzterer erzählt die bewegende Vorgeschichte von einem der Hauptcharaktere, Grandma Ben. Zu Zeiten der Bones ist sie eine alte, unglaublich starke Frau, die mit ihrer Enkelin einen kleinen Hof bewohnt. In dem hier vorliegenden Band erfährt man Details aus ihrer Jugend, die eng mit den späteren Geschehnissen verknüpft sind. Tatsächlich sogar so eng, dass man ganz klar empfehlen kann, ihn erst nach dem Genuss von Band Sechs oder Sieben der eigentlichen Serie zu lesen, wenn man nicht zu viele Infos vorweg bekommen möchte.
Im Gegensatz zu der "großen" Bone-Geschichte, die Jeff Smith nicht nur komplett erdacht, sondern auch gezeichnet hat, entstammt diesmal nur die Handlung seiner Fantasie. Zeichnerisch umgesetzt wurde sie von Charles Vess. Und das ist eine der größten Schwächen dieses Bandes. Natürlich ist "Rose" für alle Bone-Fans ein absolutes "Must have" und man freut sich über das Wiedersehen mit dem großen roten Drachen, gleichzeitig vermisst man aber auch den verspielten Stil, mit dem Jeff Smith seine Figuren umgesetzt hat. Landschaften, Tiere und fantastische Wesen sind Charles Vess unglaublich gut gelungen, Menschen haben in den Details allerdings einige Schwächen. Manche Einzelheiten unterscheiden sich von Bild zu Bild, wie die Kopfform oder die Größe der Augen. Dazu kommt der nicht zu vermeidende "Es ist einfach nicht das Gleiche"-Faktor, der bei einem kultigen Comic wie diesem nicht zu unterschätzen ist, egal, wie gut die Bilder sind. Trotzdem sollte man dem Band eine Chance geben.
Was eingeschworene Fans der knuddeligen und knubbeligen Bones außerdem stören könnte, ist, dass ausgerechnet diese hier fehlen, denn zu der Zeit, zu der die Geschichte spielt, sind sie im Leben der Menschen, Drachen und Rattenmonster schlicht noch nicht aufgetaucht. Deswegen muss man ebenso auf die bissigen und äußerst humorvollen Dialog-Gefechte verzichten, die sie sich sonst liefern und die einen großen Teil des Charmes der Serie ausmachen.
Für sich gesehen ist der Comic sicherlich ein schönes Fantasy-Märchen und für einen Bone-Sammler führt sowieso kein Weg an seiner Lektüre vorbei. Wer keinen Wert auf eine komplette Sammlung legt und wessen Augenmerk bei der Serie klar auf den Figuren der Bones selbst liegt, kann auf den Band aber auch gut und gerne verzichten.