"Stripped to the bone" - ein weiterer Depeche Mode Sampler, diesmal also was Akustisches. Tribute-, oder besser, Cover-Alben sind stets eine heikle Sache, und mir sind bis heute nur sehr wenige untergekommen, die über das Stadium des "Nachspielens-bekannter-Stücke" und dem Profitieren von großen Namen herausgekommen sind. Dieser Versuch macht da leider keine Ausnahme.
Zunächst war ich sehr neugierig, hatte das Album in einem CD-Geschäft gesehen und nebenbei ein, zwei Stücke über die Verkaufsraum-Beschallung verfolgt. Klang gar nicht so schlecht, zumal die Instrumentierung schön reduziert war/ist. Insofern neugierig geworden schritt ich zum Kauf.
Beim Hören des ganzen Albums kam jedoch schnell die Ernüchterung. Auch wenn die kammermusikalische Interpretation mit dezenten Streichern, Klavier, Klarinette etc. zunächst gefällt: nach 3 Titeln aber wird es... langweilig: Zu wenig Variation, zu wenig Mut zum eigenen melodiösen Profil oder einer auch nur zart feststellbaren eigenen (Weiter-)Interpretation.
Nein, nur das dezente Hintergrundraunen der Instrumente vor der (sehr guten) Stimme von Sylvain Chauveau. Sehr schade. Stilistisch schrammt das Ganze nah an Fahrstuhlmusik vorbei - die grundlegende melancholische Stimmung verhindert dies jedoch. Eine Offenbarung sind die Interpretationen von Sylvain Chauveau für mich aber nicht, sondern eher eine trübe, leicht depressive Soße mit Zartbitter-Geschmack.
Darüber hinaus: Angesichts der Tatsache, dass es sich bei "Stripped to the bone" um einen selektiven Griff in einen 20jährigen Fundus an Vorbildern bzw. Originalen handelt, muss die Titelauswahl unter "Risikominimierung" fallen. Wer sich bei über 100 Stücken nur die Rosinen rauspickt (und das auch nur 10!), läuft Gefahr in den Verdacht zu kommen, dass damit etwas anderes "überdeckt" werden soll.
Insofern gebe ich "Stripped to the bone" drei Sterne, aber eher wohlwollend als überzeugt. Wenigstens ist es kein Elektro-Tribute, von denen es zahlreiche und m. E. wenig gute gibt. Es ist eine etwas andere Betrachtung der Depeche Mode-Stücke, und wer gerne Abende bei Kerzenschein, blasser Schminke und abgedrehter Heizung verbringt, mag hier glücklich werden. "Stripped to the bone" ist jedoch nichts, was in einer DM-Sammlung fehlen würde.