Helge Schneider hat also schon wieder ein Buch geschrieben. In den letzten Jahren ist das häufiger vorgekommen, leider oftmals mit wechselnder Qualität. Nun zeigt die Formkurve wieder deutlich nach oben: "Bonbon aus Wurst" ist als Autobiografie getarnt, aber wer eine schonungslose, chronologische Abfolge Schneiders Leben erwartet, wird enttäuscht. Oder eben positiv überrascht:
Denn Helge macht in seinem neuen Werk das, was er am allerbesten kann. Wirre Geschichten, die aus Anekdoten herauswachsen und pointiert Schabernack und Unsinn auf den Punkt bringen. Immer wieder kommen echte Prominente ins Spiel, befreunden sich mit Helge und reihen sich nahtlos in die irrwitzigen Geschichten ein. Aber auch reell mit Helge befreundete Menschen wie Pete York oder (der 2005 verstorbene, großartige) Jimmy Woode finden ihren respektvollen Platz in der bunten Anekdoten-Sammlung.
Realität trifft Absurdität trifft Lüge trifft Halbwahrheit. Auch nach der Lektüre ist es schwierig zu sagen, wie viel Prozentchen Wahrheit in den abwechslungsreichen 160 Seiten stecken. Vielleicht möchte man das auch gar nicht wissen und dem Helge einfach mal glauben, dass er das ist, was er in "Bonbon aus Wurst" auch schon ist: ein Kauz. Ein liebenswerter Kauz mit Ecken, Kanten, Charme, Selbstironie und Lebenslust.