Schon das Vorgänger-Debut-Album von Bon Iver (franz. Bon Hiver - guter Winter) alias Justin Vernon 'For Emma, Forever Ago' bewies eindrucksvoll, dass es auch heute noch durchaus ernstzunehmende und vor allem hochtalentierte Singer/Songwriter gibt. Mit hohen Erwartungen und großer Vorfreude durfte ich nun endlich vor 3 Tagen das neue Werk Bon Iver (self titled) in meine Playlist einfügen und wurde auch dieses mal nicht enttäuscht - im Gegenteil, dass was Vernon hier abliefert grenzt schon fast an endloser Schönheit.
Was sofort auffällt, ist seine sehr einprägsamme Falsett-Voice die immer wieder zwischen hoher Kopfstimme und tiefen Bariton hin- und her switched. Musikalisch hat sich die Band auch deutlich weiterentwickelt. Es wurden viele neue instrumentale Elemente in den Songs verbaut. Beispiel: Beth/Rest klingt wie eine Mid-80er Synthypop Schnulze mit jazzigen Einlagen, welche sich aber im nächsten Augenblick doch wieder deutlich vom Discoeinheitsbrei abzusetzen weiß. Alles klingt wie aus einem Guß.
Vernon baut Klangwände auf, die bedrohlich fragil wirken, aber dennoch jeden Augenblick zu explodieren scheinen. Kein Song gleicht dem anderen, würden aber stilistisch wie auch atmosphärisch als Bruder und Schwester durchgehen.
Lyrisch wandelt Vernon auch auf dieser LP wieder auf Pfaden der Perfektion. Intelligent, anmutig, melancholisch, fantasievoll, kreativ und vor allem voller Liebe und Gefühl wären die wohl passendsten Worte. Spätestens mit diesem Meisterwerk reiht sich Justin Vernon in die Liga der größten musikalischen Lyriker unserer Zeit wie beispielsweise Bob Dylan, Sufjan Stevens, Ben Cooper, Kristian Matsson, Jose Gonzalez, Colin Meloy, Peter Broderick, Ben Gibbard, Conor Oberst oder Robin Pecknold mit ein.
Fazit: Zeitloses Meisterwerk mit einer unsaglichen Atmosphäre und tiefgehenden Texten - Gänsehautgarantie. Zur Spitze des Eisberges ist es nicht mehr weit, go on Bon Iver.
Anspieltipps:
Perth
Holocene
Towers
Wash