Das Buch beschreibt die britisch-französischen Kriegspläne für einen Angriff gegen die sowjetischen Ölquellen im Frühjahr und Sommer 1940. Dieser als strategische Luftoperation geplante Angriffskrieg war Teil einer Kriegsplanung, die vorsah, den mit dem Deutschen Reich am 3. September 1939 begonnenen Krieg, den in England und Frankreich in direkter Landoperation gegen die Wehrmacht niemand führen mochte, durch weit gespannte See- und Luftoperationen mit einer Nord- und einer Südzange als wirtschaftlichen Einkreisungskrieg zu gestalten und bei dieser Gelegenheit der Sowjetunion auch gleich eins aufs Haupt zu geben.
Die Ausführung dieses wahrhaft weltumspannenden Plans scheiterte an zwei Dingen: In Norwegen kam die Wehrmacht der britischen Expeditionsstreitmacht zuvor, und die Südoperation musste abgeblasen werden, weil nach dem deutschen Westfeldzug in kürzester Frist die französische heimatliche Operationsbasis weggefallen war.
Durch Aktenbeute im Juni 1940 wurde den deutschen Strategen klar, was für einen schier unglaublichen Coup die Westalliierten geplant hatten. Natürlich wurde dergleichen von der Goebbelspresse weidlich ausgeschlachtet, doch so richtig glauben mochte das alles eigentlich niemand.
Wirklich neu sind die Fakten aus dem Büchlein also nicht, und Spiegelleser werden vielleicht einwenden, dass sie dergleichen in den 1970er Jahren unter der selben Überschrift "Bomben auf Baku" bereits gelesen haben und zwar in Formulierungen und Argumentationssträngen, die dem hier Gebotenen fast aufs Haar gleichen. So fragt sich denn der Rezensent, wer hier mit wem einen Jux gemacht hat.
Dennoch: Der Stoff ist interessant und fast noch interessanter ist die Quellenlage, die Deschner am Schluss des Bändchens offeriert. Hauptquelle ist ein Interview, das der Autor mit Paul Karl Schmidt, oder wenn man so will: Paul Carell, führte. Hier mag der eine oder andere die Stirne runzeln. Dieser Schmidt war ein junger NS-Funktionär, der in der zweiten Reihe einen festen Platz hatte und zwar als Leiter der Informations- und Presseabteilung im Auswärtigen Amt. Diese Abteilung war ein interessanter Zwitter: Neben der Pressearbeit oblag ihr nach Kriegsbeginn die Informationsbeschaffung aus Staaten, zu denen Deutschland keine diplomatischen Beziehungen unterhielt, und in der Gegenrichtung deren Beeinflussung.
Nach dem Krieg war Schmidt ein Erfolgsautor, dessen Schriften über den Verlauf des Zweiten Weltkriegs (zum Beispiel "Sie kommen" und "Unternehmen Barbarossa") man allerdings weniger als getreues Abbild des Kriegsverlaufs auffassen sollte, sondern als Darstellung eines Mannes, der noch einmal bunte Propagandaluftballons aufbläst: deutsche Kriegsberichterstattung pur. Immer allerdings, wenn Carell in seinen Büchern von Stimmungen und Handlungsweisen in der deutschen Führung berichtet, spricht ein Zeitzeuge. Der Mann war dabei, was immer er auch später darüber geschrieben haben mag.
Wenn Schmidt also berichtet hat, dass Hitler alsbald deutsche Übersetzungen über die verstiegenen Kriegspläne der Westalliierten gegen die Sowjetunion zu Gesicht bekam, die er begierig studierte, so liegt es im Bereich des Naheliegenden, dass er sich hierdurch zu seinem Befehl, einen Kriegsplan gegen die Sowjetunion auszuarbeiten, beflügeln ließ. Die zeitliche Nähe beider Ereignisse ist in der Tat unübersehbar.
Mehrere Erzählstränge über die britische und französische Interventionspolitik gegen Russland, beginnend mit dem Krimkrieg, runden die Geschichte ab. Man könnte hinzufügen, dass es das Allererstaunlichste war, dass der vielbeschworene deutschen Militärgeheimdienst, die Abwehr, von dem allen nichts mitgekriegt hatte, doch genau genommen ist auch das bekannt: Gleich nach dem Westfeldzug 1940 hat es der Leiter der Abteilung Fremde Heere West im Generalstab des Heeres, Oberst Ulrich Liss, zu Papier gebracht: Die Feindlage hatte auf Annahmen, jedoch nicht auf Informationen beruht. Was geschah daraufhin? Nichts.
Nebenbei bemerkt: Churchill war 1918 nicht Erster Lord der britischen Admiralität. Diesen feinen Job hatte er wegen des Dardanellendesasters 1915 wieder abgeben müssen.