Rapper wie Ali A$ sind das, was der kränkelnde deutsche Mainstream-HipHop gerade am dringendsten braucht. Er bringt thematische Abwechslung, Eloquenz und Humor zurück in den Rap, ohne sich dabei künstlich zum Kasper zu machen. Die Krönung des ganzen sind allerdings die selten gehörten Skills. Wenn Ali seine komplexen Endlos-Reimketten konstruiert und dabei immer wieder kurze Doubletime-Attacken einflechtet, ist man als Rap-Kenner beeindruckt. Nebenbei schüttelt er noch ganz lässig die unmöglichsten Metaphern aus dem Ärmel als wäre das gar nichts. Hinsichtlich der Technik kann er sich also schon fast mit Virtuosen wie Kool Savas oder Samy Deluxe messen; von den Newcomern reichen ihm höchstens Kollegah oder Gregpipe das Wasser.
Das Album beginnt mit einer kleinen Hommage an den Oldschool-Klassiker "Rapper's Delight", doch man merkt bereits in welche Richtung es musikalisch gehen wird: Mit Synthesizer-Staccato und hymnischem Digi-Orchester erinnert die Produktion leicht an Timbaland. Überhaupt scheint Ali A$ ein Freund des aktuellen Stils zu sein, und so bewegt sich der instrumentale Teil auf "Bombe" zwischen elektronischem Clubsound, Crunk und R'n'B - dies ist Deutschrap für Leute, die sonst gerne Dipset, Lil Wayne oder Kanye West hören. Löblicherweise verzichtet Ali dabei auf stumpfes Nachahmen seiner Lieblingskünstler, lässt sich lediglich ein wenig inspirieren und bleibt individuell.
Was die lyrischen Inhalte angeht, ist Vielseitigkeit angesagt. Als Deluxe-Artist hat Ali natürlich eine Menge Battlerap im Programm, und auch der obligatorische Lovesong darf nicht fehlen. "Mir Geht Es Gut" mit Emory erinnert stark an Illo's "Ich Brauch Deine Liebe Nicht", zieht im Vergleich mit diesem Track jedoch knapp den kürzeren. Das Album strotzt aber auch vor erfrischend witzigen Konzeptsongs. Zunächst metzelt sich Ali auf "Ich Bin Ein Star" verbal durch die halbe deutsche Medienlandschaft. Später führt er mit "Rückwärts Einparken" à la Soulja Boy einen neuen Tanz ein, bevor er den Hörer abschließend auf "Hoffnungsloser Fall" an einer psychotherapeutischen Sitzung teilnehmen lässt. Der grauenhaft schief gesungene Autotune-Refrain auf "Hier" stößt einem beim ersten Hören sauer auf und man fragt sich ob das ernst gemeint ist. Trotzdem erwischt man sich dabei, dass man das Lied nochmal zurückskippt; und spätestens nach dem dritten Hören ist man süchtig danach und singt begeistert mit. Ein Highlight der Platte ist "Vielleicht", das mit eingängigem Hook und traumhaften Beat überzeugt. Hier beweist Ali, dass er tiefgründige Poesie ebensogut schreiben kann wie prolliges Gepose. Das gleiche gilt für "Irgendjemand", dem Ali einem verstorbenen Freund gewidmet hat. Doch anstatt deswegen in Selbstmitleid zu baden, erweist Ali ihm die letzte Ehre in Form einer sehr würdevollen Reminiszenz an vergangene Tage und gemeinsame Erlebnisse.
Fazit: Lustiger Rap muss nicht peinlich sein. Ali A$ kombiniert Wortwitz, Punchlines und Flows zu wirklich guter, niveauvoller Musik und trifft damit den Nerv der Zeit. Jeder dem in letzter Zeit die Stumpfheit, künstliche Härte und Redundanz im HipHop zum Hals raushing, sollte auf jeden Fall mal reinhören.