Altmeister Sergio Mendes zeigt mit seinem neuen Album allen, die sich in letzter Zeit daran versucht haben, die Faszination Südamerikas musikalisch einzufangen (Til Brönner, Diana Krall), wie der Sommer wirklich klingt. Hierbei war es klug, sich wieder etwas von dem Einfluss allzu modernder Strömungen wegzubewegen, die Will.i.am von den Black Eyed Peas in 'Timeless' und 'Encanto' hat einfließen lassen. Trotzdem ist 'Bom Tempo' kein Retroalbum geworden, sondern mischt den 12 Songs auch immer wieder aktuelle Klänge unter - allerdings stets wohldosiert und damit auch für Liebhaber der Frühwerke des Brasilianers ohne weiteres genießbar. Hierbei werden die Gesangsparts nicht mehr von international bekannten Interpreten wie Fergie, Natalie Cole oder Juanes übernommen, sondern es dürfen die ran, die in dieser Musik auch zu Hause sind: Seu Jorge, der 1999 mit 'Samba Esporte Fino' das beste brasilianische Album des Jahres ablieferte oder Carlinhos Brown, der mit dem Song 'Já sei namorar' die dortigen Charts stürmte; diese Künstler sorgen somit für das nötige Maß an Authentizität. Trotzdem kann man auch Mainstreamern dieses Werk vorbehaltslos empfehlen, denn es ist melodisch, druckvoll produziert und frisst sich daher unweigerlich auch in die Gehörgänge europäischer Musikliebhaber.
Anspieltipps sind 'Pais Tropical', das unweigerlich die Sehnsucht nach lauen Sommernächten schürt, der Easy-Listening-Kracher 'You And I' und das ebenfalls mit Sixties-Charme versehene 'The Real Thing'. Aber auch der Rest lässt sich hören - am besten mit einem Caipirinha in der Hand. Saúde!