Produktinformation
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Doch zunächst zur DVD selber: So ganz klar ist mir da nicht, wer hier bei der Herstellung der DVD am Werke war, aber das technische und redaktionelle Niveau liegt weit unter dem heutigen Standard. Über die Tatsache, daß es unmöglich ist, den Dirigenten der Aufführung herauszubekommen (es sei denn, man kann Russisch in kyrillischer Schrift lesen) oder über die (englische) Inhaltsangabe der revidierten Mussorgsky-Fassung (obwohl auf der DVD die im Handlungsablauf geänderte Rimsky-Korsakoff-Fassung gespielt wird) kann man noch lächeln. Spätestens beim Anschauen und Anhören der DVD vergeht einem jedoch der Spaß: Die Bildqualität liegt allerhöchstens auf VHS-Niveau, immer unscharf, dazu sehr dunkel. Hauptmanko jedoch ist der Ton - schon oft muß man sich ja über DVD-Hersteller beklagen, die einen vorliegenden Stereoton mit ein wenig künstlichem Hall von hinten flugs zum "5.1 Surround" erklären; jedoch die Frechheit, einen Mono-Ton (!) auf diese Weise zu 5.1 zu machen, verschlägt einem die Sprache. Zumal das Ergebnis eine Zumutung ist: Die höchsten Höhen fehlen völlig, die Bässe dröhnen laut, alles klingt dumpf, leicht verzerrt und "historisch", zuweilen sind sehr komische "Doppelstimmen" im Baß bei unbegleiteten Vokalpassagen zu hören.
Angesichts dessen ist es kein Vergnügen, die DVD am Stück durchzuschauen, und dementsprechend schwer tue ich mich mit einer detaillierten Kritik am musikalischen Geschehen. Das Orchester erscheint mir, soweit das überhaupt zu hören ist, sehr kompetent und engagiert geführt zu sein, mit einem leichten Hang zu etwas beschwingten Tanzrhythmen in den volksmusikalischen Passagen. Auch höre ich zuweilen den Versuch heraus, die glatte Instrumentierung Rimsky-Korsakoffs wieder etwas herber und urtümlicher klingen zu lassen. Lob verdient auf jeden Fall der zahlenmäßig sehr stark besetzte und immer präzise Chor.
Bei den Solisten fällt durch die Bank weg auf, wieviel Kraft und Stimmmaterial hier gegeben wird, als sänge man um sein Leben. Besonders gefällt mir das bei E. Nesterenko, der in der Titelrolle ohnehin in jener Zeit als konkurrenzlos galt, und beim Sänger des Pimen, der mit einer sehr wohlklingenden wie dominanten Baßstimme gefällt. V. Piavko als Dimitrij hingegen forciert viel zu stark und hat einen IMHO unpassenden, fast italienischen Schmelz in der Stimme, auch mit der Darstellerin der Marina, die leiernd und etwas matronenhaft wirkt, werde ich nicht recht glücklich. Der Rest des Ensemble bietet hohes Niveau.
Trotdem der klare Rat: Nicht kaufen, die technische Qualität ist so schlecht, daß man an der DVD keine lange Freude haben wird. Das ist besonders ärgerlich, zumal von derselben Inszenierung eine technisch hervorragende Videoaufnahme unter Lazarew aus dem Jahr 1987 existiert, mit teilweise identischen Protagonisten, die jedoch - wen wundert es - auf DVD nicht erschienen ist. Bis diese erscheint, muß man sich mit der St. Petersburger DVD zufrieden geben.
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