Abgesehen von der kritischen Gesellschaftsanalyse zur Einleitung und dem darauf folgenden Aufruf, sich zur Sabotage der bestehenden Ordnung zusammenzuschließen, liegt uns mit Bolo'Bolo eine im Prinzip "klassische" Utopie vor.
Der Autor (oder das Autorenkollektiv?) entwirft nämlich eine weltweite, alle Menschen umfassende, allerdings stark vereinfachte, Sozialordnung, die, wie allen klassischen Utopien zu eigen a.) Gar nicht erst zur Diskussion gestellt wird, b.) deren Institutionen für immer statisch bestehen müssten, ohne einen Weg aufzuzeigen, wie weitere Verbesserungen noch möglich wären, oder "Systemfehler" beseitigt werden könnten.
Das hinter dem Inhaltlichen verborgene, jedoch durchschimmernde, Leitmotiv, erscheint mir dagegen sympathisch: P.M., der Autor, stellt sich nämlich die Frage, wie eine Welt aussehen, gestaltet sein müsste, um ein größtmögliches Maß an Leben, Lebendigkeit, Entfaltung, Fülle des Daseins, Freiheit, Gemeinschaft, Kreativität, "Erdigkeit", "Kernigkeit" u.s.w... zu ermöglichen. Seine Antwort ist ein doch recht großzügig bemessener "Rahmen", einige wenige Strukturprinzipien, die unter anderem eine extreme Begrenzung des Privateigentums, weitgehende Subsidiarität, Autonomie et cetera... enthalten und ein radikales Gegenkonzept zur bestehenden Weltordung darstellen, deren Wiederaufkeimen (in Form von Macht, Staat, Kapitalismus...) im Übrigen durch das System der Bolos (Bolo'Bolo) verhindert werden soll.
Kurzum: das kleine Büchlein regt gehörig zum Träumen an, seine Utopie ist aber wahrscheinlich nicht zu verwirklichen, schon deshalb, weil der Mensch aus Bequemlichkeit und dem Wunsch nach "Selbstwirksamkeit" z.B. das Eigentumsrecht rasch wieder ausweiten würde, oder die Regionalkoordinierung für Großprojekte (Straßenbau, Schienenverkehr) schnell wieder zu einer Art von Regierung ausarten würde.