Nach der Rückkehr von einer weiteren mehrwöchigen Bolivienreise, auf der ich auch diesen Reiseführer benutzt habe, merke ich folgendes an:
Schon das Titelbild ist unscharf und der Gesamtinhalt hebt sich wenig davon ab. Störend empfand ich die blumigen, ausschweifenden Beschreibungen nicht nur von Unterkünften; hatte ich auch hier wiederum das Gefühl, dass aus der Mücke ein Elefant gemacht wurde, bringt allerdings viele Seiten. Ich habe selbst erlebt, dass Beschreibungen nicht stimmen, weil sich Eigentümer und Qualität erfahrungsgemäß in solchen Ländern schnell ändern.
Zu vollständig und aktualisiert 2010: hier kamen mir doch etliche Zweifel. War doch z.B. die Sandpiste nach Vallegrande (Che)schon seit Anfang 2009 asphaltiert; die als fertig asphaltierte und befahrbare beschriebene Verbindung von Villamontes nach Paraguay war selbst Ende 2011 zwar asphaltiert, aber durch Erdbarrieren und querliegende Stämme nicht freigegeben. So hatte ich das Vergnügen die 110 km lange alte, löchrige Schotter- und Sandpiste mit dem Motorrad zu fahren.
Auch vermisse ich den Hinweis, dass die Strecke zwischen La Paz und Oruro seit 2009 zu einer vierspurigen "Autopista" ausgebaut wird. Nicht nur an diesen Stellen tritt bei mir das Gefühl auf, dass die Autoren seit etlichen Jahren nicht dort waren.
In anderen Landesteilen stand ich trotz genauer Angaben besonders im Hochland vor verschlossenen Hotel- oder Museumstüren.
Die Beschreibung der "packenden" 4wd Tour über den Salar und zu den Lagunen, kann ich in teils genauerer Form in Reiseberichten oder bei einem Touranbieter nachlesen.Jedoch praktische Hinweise zu Qualität und Verlauf der Pisten fehlen. Ebenso vermisste ich hier den Hinweis, den ich von einem verantwortlichen Autor und Landeskenner erwartet hätte, dass es gerade auf dem Salar und teilweise auf Fahrten zu den Lagunen jedes Jahr zu mehreren Unfällen, oft auch tödlichen, kommt, da die Fahrer der Jeeps übermüdet, betrunken oder durch Drogen abgedämpft sind. Diese Jeeptouren sind in der Regel erheblich überteuert. Die Zeiten der genannten Schleuderpreise sind schon seit vielen Jahren vorbei.
Die 24 Farbseiten in der Mitte des Buches bestehen lediglich aus ein paar Miniaturbildern, geben im Endeffekt nichts wieder.
Der Infoteil am Ende des Buches ist einfach nur konfus.
Kartenmaterial von A nach B fehlt.
Als recht gut muss ich die Stadtpläne auch kleinerer Orte mit den gut eingezeichneten Unterkünften bewerten, dafür fehlen jedoch oft die wichtigsten Sehenswürdigkeiten.
Fazit: Die Hälfte des Buches sind langwierige und oft nutzlose Ausschweifungen, auch über die im Tiefland liegenden Nationalparks, die kaum erschlossen und in der Regel nicht erreichbar sind.
Da dieser Reiseführer zur Zeit der einzige halbwegs brauchbare auf dem Markt ist, gebe ich ihm noch 2 Sterne.