T.Rex ist ein seltsamer Stern am Pop-Firmament von 1971. Seltsam und originell ist der Sound, seltsam ist vor allem, daß diese märchenhaften und progressiven Kompositionen nicht nur auf LPs waren sondern in die vorderen Plätze der Schlagerparaden kamen. Hot Love auf No. 1. Get It on No. 3.
T.Rex war für mich ein Katalysator als Kind, mich für Pop Musik zu interessieren und die noch progressiveren Gruppen wie Uriah Heep zu hören. Die späte Phase von Tyrannosaurus Rex ist mit eindrucksvollen Werken wie "She was born ..." oder "Dove" vertreten. Es schien, als sei Anfang der Siebziger die Stimmung des Underground der Sechziger für einige Zeit in die Hitparade für viele Hörer eingezogen. Marc Bolan verkörperte mit seinem zurückhaltend androgynen Äußeren (beeinflußt vom Maler Alfons Mucha), seinen langen Korkenzieherlocken eine Weile für die Kinder von 1971 den Geist des Londoner Undergrounds. Da er - nach Jahren der Anerkennung im Londoner Ufo-Club - den Teenager-Markt ansteuerte, fielen damals die Rezensionen der Musik manchmal etwas oberflächlich oder negativ aus. Er hatte mit den exotischen Bongos, der tröpfelnden Bass-Leadgitarre, den imaginären Streichern und den geschlechtslosen geisterhaften Background Vokals (Frank Zappa Sänger Flo & Eddie) einen wirklich neuen Sound geschaffen. Die Welt war noch jung und frisch, kaum ein Hörer der neuen Musik war über 20, kaum ein Musiker älter als Anfang Zwanzig. Die Covergestaltung ist hier nicht so gut, es wäre eine Mischung aus der Feenwelt von Tyrannosaurus Rex und "Slider" zum optischen präsentieren angemessen gewesen. Anspieltips: "Get it On" (der ausgeflippteste Song, der jemals auf die ersten Plätze der Hitparade kam, neben Jürgen Marcus und Sweet), "Dove", "Raw Ramp". Ich freue mich, daß sich viele Hörer im Internet sich an die Hitparade dieser Zeit erinnern. Wenn man nur eine LP der Gruppe haben möchte, würde ich diese empfehlen, sie waren damals etwas neues und die besseren Songs der alten Tage von "Bear of Stars" und "Unicorn"! sind auch vertreten. Hätte Marc Bolan damals aufgehört, es wäre eine würdevolle Visitenkarte seiner Kunst und Musiker; er wäre nie ins Kreuzfeuer der Kritik gekommen, leider verlor der schöne Künstler später den Überblick über sein Publikum. Thomas Richter