Nach dem tragischen Unfalltod seiner geliebten Mutter hat der siebenjährige Albert (Haley Joel Osment) keine Angehörigen mehr. Die Mutter verfügte in ihrem Testament, dass im Falle ihres Todes ihr Sohn bei seiner Patentante Harriet (Whoopie Goldberg) aufwachsen soll. Zitat aus einer Profi-Rezension: "Diese hat laut eigener Einschätzung keinen Funken Mutterinstinkt in sich und will das letzte Mal mit einem Kind gesprochen haben, als sie selbst eines war." Zitatende. Weil als Alternative nur das Heim bleibt, wird er von Las Vegas ins ferne kalte Newark geschickt zu einer Frau, die er nie zuvor gesehen hat, sie ist eine 'Adoptivschwester' seiner Mutter.
Schon im Flugzeug wird's ihm immer mulmiger. Beim Malen erschafft er sich einen knollennasigen imaginären Freund: Bogus. Und alsbald erscheint ihm Bogus leibhaftig (Gerard Depardieu). Niemand außer ihm kann ihn sehen, auch nicht seine 'Tante', die sich als eine Schwarze herausstellt, eine allein lebende Karrierefrau, die nur für ihren Job lebt und mit Kindern absolut nichts am Hut hat.
Albert wäre todunglücklich, wenn es da nicht Bogus gäbe, der immer in seiner Nähe ist, der ihm hilft, sich mit seiner Tante und seiner neuen Umwelt auseinanderzusetzen. Und seine Tante Harriet muss sich fortan nicht nur mit ihrem 'Adoptivneffen' herumschlagen, sondern auch mit Bogus, und irgendwann kommt sie soweit , dass sie sich ihrer eigenen Kindheit bewusst wird, und sie merkt, dass ihr Bogus keineswegs ein Unbekannter ist!
Mehr möchte ich zur Handlung nicht sagen, ich würde viel zu viel vorwegnehmen!
Dass der Film beim amerikanischen Publikum offensichtlich durchgefallen ist, er hat 'nur' 3,4 Mio. Dollar eingespielt, sagt nicht zwangsläufig etwas über seine Qualität aus, auch nicht die Meinung oben genannten Profi-Rezensenten: "das gefühlvolle Rührstück um den imaginären Freund eines siebenjährigen Waisenjungen spricht mit seiner Trägheit vorrangig die Allerjüngsten an". Ich kann an dem Film keine Trägheit finden, ich kann auch nicht die Meinung teilen, die beiden Hauptdarsteller
seien 'in einem Rührstück unter Wert verkauft'.
Meiner Meinung nach ist Bogus ein amüsanter und sehr nachdenkenswerter Film nicht nur 'für die Allerjüngsten', sondern für die ganze Familie. Höchstwahrscheinlich sind wir Erwachsenen alle viel zu verkopft, um der wundervollen Fantasie dieses Films folgen zu können. Auf alle Fälle spielen die beiden erwachsenen Hauptdarsteller mitnichten 'unter Wert', sie spielen ihre Rollen sehr überzeugend und einfühlsam. Und der kleine Haley Joel Osment zeigt schon in diesem Film, welche schauspielerische Bandbreit in ihm steckt. Er 'spielt' seine Rolle nicht, er lebt sie!
Übrigens hatten meine eigenen Kinder in ihrer Kindheit ebenfalls ihren 'Bogus'. Er hatte andere Namen und war nicht leibhaftig sichtbar. Aber er spielte eine große Rolle in ihrem jungen Leben.
Ich gebe Bogus fünf Sterne und empfehle ihn all denjenigen, die ein bisschen Fantasie aus ihrer Kindheit herübergerettet haben. Und ich empfehle allen, die die DVD ihrer Sammlung hinzugefügt haben, sie mehrmals anzusehen. Und ich verspreche Ihnen, dass sich die Aussage des Films jedes Mal ein bisschen mehr erschließt.
eboku