Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Opulenter Roman um eine Künstlerkarriere, 3. Februar 2008
Andromeda Romano-Lax Der Bogen des Cellisten
Bloomsbury Berlin ISBN 3827006732
Im Jahr 1892 wird in dem kleinen Ort Campo Seco in Katalonien ein Junge geboren. Seine Geburt verlief nicht ohne Komplikationen. Zwei seiner Geschwister helfen der Mutter, das Kind zur Welt zu bringen, denn die Amme erweist sich als unfähig bei der Geburtshilfe.
Wie sich herausstellt, ist sein Vater im Unabhängigkeitskrieg der spanischen Kolonie Kuba gegen die Spanier ums Leben gekommen, und die Mutter schlägt sich fortan mit Näharbeiten durch. Vom gefallenen Vater kommt ein Paket mit Habseligkeiten, u.a. ein Bogen, den sich Feliu als Andenken erbittet. Feliu heißt er irrtümlich, weil bei der Eintragung seines Namens ein Fehler unterlaufen ist; die Mutter wollte ihn Feliz nennen, der Glückliche.
Früh schon spielte die Musik in Felius Leben eine Rolle. Der Vater war Musiklehrer, die Mutter hatte eine schöne Stimme, und unser Held interessiert sich für das Klavier und die Geige. Als er eines Tages ein Konzert hört, in dem ein Cellist auftritt, ist es für ihn ausgemacht: dem Cello gilt seine ganze Liebe.
Jetzt kommt der vom Vater vererbte Bogen zu voller Geltung!
Felius Weg führt zunächst nach Barçelona.
Bei einem originellen aber recht runtergekommenen Cellolehrer findet er mit seiner Mutter Unterkunft.
Alberto ist Anarchist, und Feliu nimmt bei ihm Geigenunterricht.
Eine Erzählung nimmt ihren Lauf, die Feliu auf den seltsamsten Spuren und Wegen folgt. Sie stecken voller Abenteuer und führen ihn zunächst in tiefe Armut und zuletzt zu großem Ruhm.
Feliu verdingt sich als Straßenmusiker, ihm fällt ein Buch über Musikgenies in die Hände, und als Krönung gelangt er an die Partitur der Cellosuiten von Johann Sebastian Bach, damals noch ein unentdecktes Werk. Ihm gelingt der Eintritt ins Liceo, das Opernhaus der Stadt, und an der Decke des Saals entdeckt er den Satz: <Musik ist das einzige sinnliche Vergnügen, dem das Laster nichts anhaben kann>.
Die Vorzeichen für seine Karriere als großer Musiker sind gesetzt!
Er lernt den berühmten Pianisten El-Cerraz kennen.
Sie konzertieren zusammen, lieben die gleiche Frau und leben in steter Konkurrenz zueinander.
Der Held durchläuft ein Leben, das ihn weit entfernt aus dem Dorf seiner Geburt. Es führt zu Weltsicht, Ruhm und politischem Engagement. Sein virtuoses Spiel macht das Cello als Soloinstrument einer breiten Öffentlichkeit bekannt.
Diese Passagen kann man als Hommage an den Cellisten Pablo Casals ansehen. Andere Teile gestalten mit Phantasie eine Handlung aus, deren Faden nie reißt.
Andromeda Ramono-Lax, selber Cellistin, hat ihren Roman in Anlehnung an das Leben von Pablo Casals entworfen.
In ihrem opulenten Werk wird die spanische Geschichte seit dem Ende des 19. Jahrhunderts lebendig.
Das reicht von der ersten zur zweiten Republik bis hin zur Diktatur des Franco Regimes.
Die Autorin fängt die düsteren Zeiten der spanischen Kolonialkriege originalgetreu ein. Dazu schildert sie Charaktere von außergewöhnlicher Natur.
Das spanische Königshaus ist mit allen höfischen Finessen vertreten.
In psychologisch ausgefeilten Passagen findet man eine Parallelität zwischen Machtgehabe in der Liebe und in der Politik.
Man konnte über A. Romano-Lax lesen, dass sie sich auf Reisen zu den geschichtlichen Orten ein Bild gemacht hat von Spanien und den wechselnden Zeiten, die das Land durchlebt hat. Sie hat die kürzlich erst erfolgten Terroranschläge in Spanien mit den Anschlägen von Terror und Tod in ihrer Erzählung nachempfunden.
Atmosphärisch kompetent erzählt sie ihre Geschichte.
Die beschriebene Künstlerkarriere ist untrennbar mit der politischen Entwicklung des Jahrhunderts verbunden und spart auch die vielen Namen von Künstlern nicht aus, die sich auf der Flucht vor den Nazis in Südfrankreich wiederfanden.
Andromeda Romano - Lax hat sich viel vorgenommen, indem sie fast ein ganzes Jahrhundert um das Porträt des Künstlers politisch mit erstehen ließ. Es ist ihr gelungen!
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein ganzes Jahrhundert gespiegelt in der Künstlerkarriere eines Mannes - ein gelungenes Experiment, 17. März 2008
Die in Anchorage in Alaska lebende Andromeda Romano-Lax arbeitete vor der Veröffentlichung dieses monumentalen, 800 Seiten und eine ganze Epoche umfassenden Erstlingswerks als Journalistin. Selbst in ihrer Freizeit Cello spielend, ist sie seit langem vom Leben und Werk des berühmten spanischen Cellisten Pablo Casals berührt und hat in ihrem Buch, sich an sein Leben angelehnt, die Geschichte von Feliu erzählt, der, in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, sich später zu einem begnadeten Cellisten entwickelt.
Die Autorin umspannt in ihrer Handlung einen Zeitrahmen von der ersten über die zweite spanische Republik bis hin zur Franco-Diktatur, und liefert neben einem beeindruckenden Roman über einen Musiker nebenbei noch eine spanische Sozialgeschichte, der man abspürt, wie intensiv sich die Autorin auch vor Ort mit der spanischen Geschichte bis hin zu den Terroranschlägen von Madrid befasst hat, auf die sie subtil immer wieder Bezug nimmt.
Zu Beginn der Geschichte 1892 wird im kleinen Ort Campo Seco in Katalonien ein Junge geboren. Bei seiner Geburt, die kompliziert verläuft, müssen seine beiden Geschwister helfen, denn die Amme ist unfähig und der Vater abwesend, denn er ist kurz vorher im Unabhängigkeitskrieg der spanischen Kolonie Kuba gegen die Spanier ums Leben gekommen.
Irgendwann erhält der kleine Feliu, der eigentlich Felix heißen sollte, ein Paket mit den kargen Habseligkeiten seines Vaters. Den Bogen, der im Paket ist, behält Feliu. Sein Vater war vor seiner Soldatenkarriere ein Musiklehrer und sein Talent hat er Feliu vererbt. Als Feliu eines Tages bei einem Konzert einen Cellisten hört, steht seine Lebensentscheidung fest. Sein Geigenlehrer Alberto, bei dem er, zusammen mit seiner Mutter nach Barcelona gezogen, Unterricht nimmt, ist ein Anarchist. Über solche Kompositionen gelingt es der Autorin meisterhaft, immer wieder die politische Situation im Spanien des vergangenen Jahrhunderts und das Leben Felius zusammen zu binden.
Das fällt ihr auch leicht, weil sie ihren Protagonisten nicht nur sich künstlerisch immer weiter zur Perfektion entwickeln lässt, sondern weil sie ihn mit immer weiter wachsender Reife und auch politischem Engagement ausstattet.
Ein ganzes Jahrhundert in der Künstlerkarriere eines Menschen zu spiegeln, ist ein großes und waghalsiges Unterfangen. Andromeda Romano-Lax ist es auf 800 langen Seiten, deren Lektüre sich aber lohnt, auf das hervorragendste gelungen.
Ein ganz erstaunliches Debüt einer Frau vom anderen Ende der Welt, jedenfalls aus europäischer Sicht, das die Literaturwelt gespannt darauf warten lässt, was sie ihr als nächstes präsentieren wird. Denn dieses Buch ist nur schwer zu toppen.
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Versuch gründlich mißlungen, 9. Mai 2008
Als Musiker, namentlich als Cellist, geht man mit sehr grossen Erwartungen an die Lektüre dieses Erstlingsromans von Andromeda Romano Lax heran. Hat es doch den Anspruch in Anlehnung an das Leben und Wirken des legendären Cellisten Pablo Casals enstanden zu sein. Andere Roman-Werke wie zum Beispiel "Vindings Spiel" von Ketil Bjoernstad oder das Franco-Themenverwandte Werk mit dem Titel "Die Stimmen des Flusses" von Jaume Cabré steigern diese Erwartung wegen ihrer Meisterschaft umso mehr.
Aber wie jäh wird man von Romano-Lax enttäuscht ! Die Spache ist weit davon entfernt, literarisch geannt zu werden. Sie plätschert eher in reinem chonologischen Erzählstil kunstlos dahin - brav reiht sich eine Episode an die andere.
An der Bearbeitung eines der beiden Hauptthemen, die Musik und insbesondere das Cellospiel versagt die Autorin vollständig. Sie hat wohl sicher schon mal etwas vom Cellospiel gehört, aber die gesamte Terminologie, die mit der Musik und dem Cellospiel verbunden ist hat sie einfach nicht drauf (Beispiel: die Partitur der Solo Suiten von Bach: contradictio in objecto!) Auch kann sie nie dem Leser den Eindruck vermitteln, warum und mit welcher Leidenschaft die Roman Hauptfigur sich dem Instrument widmet - nur der vom Vater vermachte Cello-Bogen aus der Nachlass-Holzkiste - zunächst noch ohne Bezug kanns eigentlich nicht gewesen sein.
Mit ausreichendem Nichtwissen auch über die Lernvorgänge kommt es zu schmerzhaft laienartigen Formulierungen über Musik, Komposition, Instrumente und zum Musikerleben - Es ist als schriebe eine Schlange ein Buch übers Fliegen...
Halbherzig auch die Schilderungen der politischen Grundhaltung der Protagonisten des Buches. Daß Feliu unter Franco aufhört mit dem Cellospielen erfährt man zwar, eine plastische Schilderung zum Verständnis dieser Tatsache bekommt man nicht. Literarisch bewegt sich das Erstlingswerk auf dem Niveau der Historienschmöker von Astrid Fritz. Die Qualität eines Björnstedt oder Cabré wird nie auch nur annähernd erreicht. Die zudem schlechte Übersetzung trifft sicherlich eine Teilschuld. Nein - das Buch kann man nicht loben oder empfehlen. Es gehört leider zu den überflüssigen Elaboraten, mit denen man ohne Gewinn seine Zeit vertut.
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