Ich habe mich so auf dieses Buch gefreut.
Naja...
Erstmal das Positive an der Methode:
-das grundsätzliche Nachdenken über die richtige Körperhaltung, Mimik, und wie wichtig diese sind
-diverse Augenkontakte (starren, "anlächeln" mit Mimikfalten, anblinzeln)
-die richtige Atmung und Körperspannung
-Interessant ist auch wohin der Blick des Hundeführer geht: Tabubereich, Bewegungskontrolle (beschleunigen, lenken)
-klare Kommunikation , klare (körper)Signale
-Körpersprachliche Hundesignale werden eingebaut (durchgedrückte Knie, T-Stellung usw)
-beim "Fuß-gehen" werden werden körperliche Hilfestellungen gegeben
-langsame Gewöhnung an Dinge wie Bein heben, hüpfen
-das Stoppsignal
Ich sah vor Jahren eine beeindruckende Hundeführerin (HF), die nur auf Grund körpersprachlicher und mimischer Hilfen in der Mitte eines Agi-Pacours stand. Sie lief nicht mit und dennoch führte sie ihren Hund fehlerfrei und blitzschnell durch den Parcour.
Für diverse Hundesportarten, die nicht (mehr) meine sind, mag das Konzept interessant und hilfreich sein.
ABER...
Mir fehlt die Alltagstauglichkeit und somit die Freiheit für die Hunde im Alltag.
Ich will keinen Hund, der ständig neben mir an der Leine läuft.
Selbst ein Hund an der Leine hat das Recht zu schnüffeln, markieren, zurückzubleiben oder auch nach vorne zu gehen. Das ist NICHT gleich zu setzen mit schlechter Leinenführigkeit.
Wenn ich schon einem Lauftier den Radius so einschränke, kann, besser muss ich ihm seine hundlichen Grundbedürfnisse zugestehen. Ich bleibe ggfs auch stehen, zerre oder locke den Hund nicht dauernd weiter und verlange auch kein ständiges "Nebenhergelatsche".
Sollte ich die Autorin missverstanden haben, und sie übt nur Leinenführigkeit, bitte ich um Nachsicht.
Desweitern stört mich der lächerlich gemachte "Hunderudel vs Mensch-Hund-Gespann".
Ein Leithund nutzt keine Schleppleine, Leckerchen oder Clicker.
Wie alt ist dieser Witz eigentlich schon?
Verlangt der Alpha-Hund körperbetontes Vorsitzen oder im Kreis laufen? Wohl kaum.
Ebenso wird die "sanfte" Hundeerziehung als grenzenlos dargestellt. Meine Hunde sind keine respektlosen Flegel und durchaus alltagstauglich.
Mein erster Hund lief zu 80% frei (auch in der Stadt). Er bekam wenige Anweißungen und diese meist freundlich. Dennoch führte er sie aus.
Calming Signals (CS) sind seit DER "Studie" (?) in Deutschland für viele ein rotes Tuch.
Gleichzeitig wendet Teschner sie in dem Buch an, auch wenn sie Demutsgesten genannt werden.
Das CS durchaus auch von hochrangigen Tieren angewandt werden, ist vielen nicht mehr klar. Frau Teschner täte gut daran, einen Blick auf die Fotos ihres Buches zu werfen: Viel Hunde zeigen CS oder wirken unterwürfig. Und ich meine nicht unbedingt die, die in dem "Blick ins Buch" zu sehen sind. Abgeduckte Köpfe, geschlossene Kiefer, angedrückte SchwanzANSÄTZE usw usf.
Sichtzeichen wie Platz können auch mit körpernahem Arm gelehrt werden. Das wirkt weniger bedrohlich.
Weiterhin fehlt mir das Thema Individualdistanz, z.B. als Belohnung (siehe z.B. G. Feltmann-von Schröder).
Es ist schlichtweg unhundlich und antrainiert, so distanzlos am Bein des Menschen zu kleben. So eine Körpernähe zwischen Hund und Mensch sind intime Momente, die m.M. nach nichts im Training als Übung zu suchen haben- jedenfalls nicht zum Vertrauensaufbau. Zudem muss sich der Hund dann nicht so verbiegen, um den HF anzusehen wenn er sitzt oder im Platz liegt.
Auch das Streicheln finde ich im Traing kontraproduktiv.
Die Körperverlagerung des HF nach hinten (Oberkörper und hinters Standbein) können ebenfalls bestätigend sein.
Leider wird nur auf den Blickkontakt von Mensch zu Hund Wert gelegt. Ein Hund, der sich nach seinem Mensch umblickt, verdient (besonders im Alltag) ebenfalls eine Bestätigung des Blicks. So entsteht eine Bindung.
Außerdem wird nicht auf einen lockeren Unterkiefer hingewiesen, der deeskalierend wirkt und auch im hundlichen Miteinader eine wichtige Rolle spielt.
Ich empfehle zum diesem Thema die Bücher von Patricia McConnell ("Liebst Du mich auch?" und "Das andere Ende der Leine").
Der Body-Block, die gleiche Mimik, die Körpersprache, die Stimme, die Lautgebung usw sind eine wahre Schatzgrube.
Es gibt noch jede Menge andere gute Bücher von TrainerInnen, die mit Körpersprache und Sichtzeichen arbeiten. Ein Beispiel ist Ulrike Gengs Buch: Hundeerziehung im Alltag.