In der Moderne hat sich die Grenze zwischen dem, was als Musik und dem, was als Lärm bezeichnet wird, aufgelöst. Die so entstandene Freiheit, die Welt direkt in Klänge umzuwandeln, hatte bei vielen Musikern jedoch zur Konsequenz, dass sie auf alte Pfade zurückkehrten und einfach nur ihre Lieblingsplatten neu sampelten. Um sich davor zu bewahren, stellte sich einer der progressivsten Komponisten der Gegenwart, Matthew Herbert, ein Dogma-ähnliches Manifest („Manifesto of Mistakes"): Er verbot sich den Gebrauch schon existierender Sounds, das Sampling der Musik Anderer, den Ersatz von konventionellen Instrumenten und die Verwendung von Drum-machines; der Zufall sollte zu einem gleichberechtigten Teil der Musik werden. Nach diesen Regeln ist seine neue Platte „Bodily functions" enstanden, auf der er Jazz mit House und Electro verschmilzt. Das Album ist traurig-schön, besonders durch die warme, sehr menschliche Stimme der Sängerin Dani Sicilliano. Die Texte handeln vom Leben und vom Tod und von all den wunderschönen und verlorenen Momenten dazwischen. Die Platte ist nostalgisch, und zugleich progressiv. Die 14 Lieder lassen einen 14 Formen der Melancholie durchleben