Robbie hätte seinen neuen Sound nicht treffender beschreiben können als mit dem Ausspruch "The old Robbie, the new Robbie and the Robbie neither of us has met", den ich deshalb auch als Titel für diese Rezension ausgesucht habe.
Bei "Bodies" haben wir einerseits eine Rückkehr zum "alten", typischen Robbie Williams in Form eines stimmgewaltigen, von Geigen begleiteten und unterlegten Refrains, der scheinbar aus dem Nichts zu kommen scheint und mit zynischen Textzeilen besticht, wie man es von Robbie's früheren Werken gewohnt ist. Wer jetzt allerdings denkt, Robbie hätte einfach einen Song produziert, der vom Stil her genauso gut auf eine seiner vorangegangen Platten (z.B.
Escapology) gepasst hätte, ist jedoch auf dem Holzweg. Zwar ist dieser Gedanke naheliegend, schließlich hat Robbie bei seinen Fans nach dem eher durchwachsenen und musikalisch ungewohnten Album "
Rudebox" einiges an Wiedergutmachung zu leisten, doch Robbie ist eben immer für eine Überraschung gut: Auch in diesem neuen Song sind einige Elektro-Elemente enthalten, wie sie ebenfalls auf "Rudebox" zu finden waren, außerdem sind die einzelnen Strophen eine Art Mischung zwischen Rap/Sprechgesang und "richtigem" Gesang - eine weitere Parallele zu einigen auf "Rudebox" enthaltenen Songs. Herr Williams möchte eben nicht verheimlichen, dass seine Musik sich in den letzten 5 Jahren (sprich die Ära nach "
Intensive Care") Richtung Elektro-Pop entwickelt hat - ein Zug, den ich durchaus befürworte und der schlichtweg einmal mehr zeigt, dass er trotz seines enormen Erfolges keiner der Pop-Künstler ist, die ausschließlich Mainstream-taugliche Werke veröffentlichen.
Doch schon beim ersten Hören werden eindeutige Unterschiede und Verbesserungen zu den Elektro-Songs auf "Rudebox" deutlich: Lieblose, unpassende Textzeilen wie "Shake your Rudebox, why you so nasty?" wurden durch intelligent gewählte, kritische und tiefgründigere Lyrics ausgetauscht. Übertriebene Bässe und nerviges Synthesizer-Gedüdel wurden durch eine gelunge Mischung aus "echten" Instrumenten und dezent eingesetzten Elektro-Bässen und -Samples ersetzt. Unmotivierter Rap in den einzelnen Strophen wurde zu rhythmischen Sprechgesang à la "Rock DJ".
Insgesamt kann man also bei "Bodies" von einem Song sprechen, der Robbie's neuen Musikstil konsequent fortsetzt, jedoch eine gigantische Weiterentwicklung darstellt im Vergleich zu "Rudebox", wo der Elektro-Pop-Sound nicht ansatzweise so verfeinert und ausgearbeitet klang wie bei "Bodies". Auch Robbie's Experimentierfreudigkeit kommt bei diesem Song nicht zu kurz, so sind an zwei Stellen des Liedes Instrumentalstücke mit einer Art Gregorianischem Choral unterlegt, die einen fantastischen Kontrast zum Sound des restlichen Stückes bilden und somit erneut Williams enorme Kreativität unterstreichen.
Abschließend kann man sagen, dass die Veröffentlichung dieses Songs genau der richtige Schachzug war, um Robbie nach seiner 3-jährigen Bühnenabstinenz wieder in den Mittelpunkt der europäischen Pop-Welt zu katapultieren und die Vorfreude auf sein am 6. November erscheinendes Album "
Reality Killed The Video Star" zu steigern.