Das Buch hat einen recht recht zweischneidigen Eindruck bei mir hinterlassen.
Einerseits haben mir die ersten Seiten sehr weitergeholfen. Dieser Part des Buches ist gut fokussiert und formuliert und erklärt das Ziel ohne Ziel, weshalb wir leben sollten, in einer schönen und verständlichen und zumindest für mich hilfreichen Form (vielleicht kam es auch nur zur rechten Zeit).
Andererseits ist es von konfuser Struktur und z.T. im Anspruch überzogen haarsträubend. Es zitiert so ziemlich jedes große Wort eines alten Meisters frei aus dem Zusammenhang und interpretiert das Zitat dann als Beweis für die eigene Richtigkeit.
In den späteren Seiten werden hierum immer nur weitere Kreise gezogen. Die Fragen wirken wie selbstgedrechselt, um Gelegenheit zu haben, die "Erklärungen" in kurze Antworten verpacken zu können, ohne die in den Antworten behandelten Punkte in eine vernünftige Struktur bringen oder gar wirklich ausführen zu müssen.
Die Antworten sind zumeist in einem kurzen Friß-oder-Stirb Format gegeben, mit viel eigener Überzeugung und ohne "wenn und aber" Die "Abers" tauchen wenn überhaupt, dann als Gegenfragen auf und werden selbstredend in kurzen Sätzen "entkräftet". Die Kombinationen erinnern verflixt an Meister/Schüler Gespräche.
Fast überall wo versucht wird zu argumentieren und erklären, bzw. wo es ins Allgemeinere geht, wird ein einigermaßen kritischer Verstand die Argumentation an vielen Stellen hinterfragen, erhält aber der Kürze wegen keine Antworten. Wobei Ziel des Buches ist, den kritische Verstand und das Ego auszulöschen, weil sie für alle Probleme unserer Welt verantwortlich sind und im hellen Licht der Gegenwart nicht überleben können. Was zu der Frage führt, weshalb in dem Buch überhaupt Antworten auf Fragen gegeben werden (die ja nur dem Verstand dienen). Aber ich selbst argumentiere hier ja auch, bin also noch hoffnungslos im Ego verhaftet und habe wahrscheinlich das Wesentliche des Buches einfach nicht kapiert. :-)
Pyar selbst hatte früher eine Lebenskrise aus der sie, durch die Konzentration auf die Gegenwart gewandelt wieder auftauchte. Das ist deshalb interessant zu wissen, weil das vieles der Unschlüssigkeiten des Buchs erklären könnte: Das Buch wirkt nämlich streckenweise, wie das eines Geläuterten, der von einem Extrem ins nächste fällt und der seine gefundene Lösung nun auf alle Probleme der Welt projiziert.
Hier leidet das Buch leider darunter, dass die Autorin (wie leider auch viele andere in der Erleuchtungsliteratur) in die Falle läuft, dass sie zwar etwas Gutes erkannt hat, was für sie persönlich auch von essenzieller Bedeutung war, daraus aber den überzogenen Schluss zieht, dass das Gegenteil dieser Erkenntnis demnach schlecht und für so ziemlich alle Probleme der Welt verantwortlich sein müsse
Fazit:
Als Philosophie ist das Buch viel zu flach (interessierte Leser mögen hier stattdessen "Die ewige Philosophie" von Aldous Huxley in Erwägung ziehen), dementsprechend der Rest ist leider nur noch bruchstückhaft brauchbar und ist so circa die zwölftausendste Weltanschauung die selbstredend dazu geeignet ist, alle Menschen glücklich zu machen und bei der es natürlich wegen ihrer überragenden Qualität völlig ausreicht, wenn der Autor auf die drängenden Fragen des Lebens in kurzen Sätzen erklärt, wie das Problem mit seiner Methode gelöst werden kann.
Wie gesagt, im Kern lesens- und lebenswert.
Leser, die Bücher im Satsang-Stil bzw. in Meister/Schüler Dialektik mögen, werden das Buch wahrscheinlich durchwegs mögen. Verstandesmäßig orientierte Leser werden im hinteren Teil möglicherweise Akzeptanzschwierigkeiten bekommen.
Trotz der guten Methode, steckt hier definitiv kleine Widerspruch, der immer auftaucht, wenn vermittelt wird, dass die Auflösung der Dualität und ein Ende der Bewertungen wünschenswert, die Dualität und das Ego aber abzulehnen sind. Was natürlich wieder nichts weiter als Dualität und eine Form der Bewertung ist.